Torf-Mosaikjungfer
(Aeshna juncea)

 

Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea) Männchen
Männchen der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)

 

Namen:
de: Torf-Mosaikjungfer / en: Moorland Hawker / nl: Venglazenmaker /
pl: żagnica torfowa / se: Starrmosaikslända
Wissenschaftlicher Name: Aeshna juncea

Ordnung:
Unterordnung: Großlibellen / Familie: Edellibellen (Aeshnidae) / Gattung: Mosaikjungfern (Aeshna)

Größen:
gesamte Körperlänge: 65-80 mm / Spannweite der Flügel: 82-100 mm

Flugzeit:
Mitte Juni bis Ende Oktober, wenn es warm ist kommen sie ab 9.oo Uhr an das Gewässer und fliegen dann bis etwa 17.oo Uhr.

Höhepunkt der Flugzeit:
Juli und August

Ähnliche Arten:
Hochmoor-Mosaikjungfer Herbst-Mosaikjungfer
Hochmoor-MosaikjungferHerbst-Mosaikjungfer

 

Merkmale:
Die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) unterscheidet sich von der Hochmoor-Mosaikjungfer vor allem durch die größeren blauen Flecken oben auf dem Hinterleib. Die Flügelvorderkante ist bei der Torf-Mosaikjungfer gelb und die Augenhinterkante hat einen gelben Fleck. Weitere Merkmale finden Sie in meinem Blog unter Großlibellen - Erkennungsmerkmale Juncea-Subarctica

 

In unserem Libellen Handbuch sind alle
wichtigen Merkmale dieser Art aufgeführt.
Männchen und Weibchen werden dort in der Auf-
und in der Seitenansicht gezeigt und beschrieben.

Männchen
Weibchen
Das Libellen Handbuch ist die optimale Ergänzung zu dieser Homepage !

 

Lebensraum (Habitat):
Die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) lebt an stehenden Gewässern die fischfrei oder zumindest fast fischfrei sind. Zu den Gewässern gehören Torfstiche, Moore oder kleine Tümpel. Auf dem unteren Foto ist ein Moor in Niedersachsen zu sehen, an diesem Gewässer lebt die Torf-Mosaikjungfer und die Hochmoor-Mosaikjungfer. Da die Torf-Mosaikjungfer nicht so einen hohen Anspruch an ihren Lebensraum hat, wie die Hochmoor-Mosaikjungfer, ist die Torf-Mosaikjungfer in ihrem Bestand nur gefährdet, aber noch nicht vom aussterben bedroht.

Habitat der Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea)
Habitat der Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) - Moor in Niedersachsen

 

Wir haben die Torf-Mosaikjungfer in Tirol auf etwa 1900 m ü.NN Höhe schlüpfen und fliegen gesehen. Dort war allerdings auch eine unsichtbare Grenze, denn wenige Höhenmeter weiter, wurde das Habitat von der Torf-Mosaikjungfer nicht mehr angenommen. Die Hochmoor-Mosaikjungfer hat an diesen Gewässern keine Überlebenschance.

Habitat der Torf-Mosaikjungfer
Habitat der Torf-Mosaikjungfer in Österreich

 

Wissenswertes:
Wenn man von der Torf-Mosaikjungfer spricht, wird oft auch die Hochmoor-Mosaikjungfer erwähnt. Beide Arten leben zusammen in Mooren und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Das ist auch der Grund dafür, dass die Hochmoor-Mosaikjungfer erst 1927 entdeckt wurde. Vorher dachte man, dass die Hochmoor-Mosaikjungfer nur eine Farbvariante der Torf-Mosaikjungfer wäre. In der Schweiz wurde die Hochmoor-Mosaikjungfer erst 1978 entdeckt und in Frankreich erst 1981.

Auch wenn es uns schwer fällt die Torf-Mosaikjungfer von der Hochmoor-Mosaikjungfer zu unterscheiden, die beiden Libellenarten hatten noch nie ein Problem damit. Herrn Werner Clausen fiel 1981 auf, dass die Männchen in einem Revier fast immer von unter her angegriffen wurden. Die Angriffe waren entweder recht heftig oder sehr schwach. Nach einigen Tagen bemerkte Herr Clausen, dass sich zwei Männchen derselben Art immer stark attackierten, während sich zwei Männchen unterschiedlicher Art nur wenig bekämpften. Clausen wurde schnell klar, dass es ein Erkennungsmerkmal auf Unterseite der beiden "Moor-Mosaikjungfern" geben musste und tatsächlich hat die Hochmoor-Mosaikjungfer zwei große gelbe Flecken auf der Thoraxunterseite, die bei der Torf-Mosaikjungfer nur sehr klein vorhanden sind.

Gefährdung:
In Deutschland ist der Bestand der Torf-Mosaikjungfer gefährdet, bei unseren Nachbarn in der Schweiz und in Österreich besteht kein Grund zur Sorge, dort ist die Art nicht gefährdet.

Besonderheiten:
Die Weibchen sind tagsüber nur selten am Gewässer. Sie kommen früh am Morgen und am Abend zur Eiablage. Wie bereits erwähnt, sind sich die Hochmoor-Mosaikjungfer und die Torf-Mosaikjungfer sehr ähnlich, das gilt besonders für die Weibchen. Ein paar Erkennungsmerkmale der Männchen habe ich oben schon beschrieben. Im Prinzip sind die gelben Flecke oben auf dem Hinterleib bei der Torf-Mosaikjungfer etwas größer als bei der Hochmoor-Mosaikjungfer und die vordere Flügelkante ist bei der Torf-Mosaikjungfer gelblich - wie bei den Männchen. Dennoch gelten diese Merkmale nicht als eindeutiges Erkennungsmerkmal. Die beiden Weibchen kann man eigentlich nur an den Hinterleibsanhängen gut auseinander halten. Bei dem Torf-Mosaikjungfer-Weibchen stehen die beiden Anhänge im 45° Winkel (V-förmig) zueinander. Leider kann man das oft nur auf Fotos erkennen.

Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea) Weibchen
Torf-Mosaikjungfer -Weibchen

Torf-Mosaikjungfer
Anhänge von einem Torf-Mosaikjungfer-Weibchen

 

Larve:
Die Larve lebt drei bis vier Jahre im Wasser. In dieser Zeit häutet sich die Larve 16- bis 17-mal und erreicht dabei eine maximale Körperlänge von 37 bis 44 mm. Auf der Suche nach Nahrung wechselt die Larve ständig ihren Lebensraum.

Schlupf:
Mitte Juni bis Mitte August schlüpfen die Torf-Mosaikjungfern in Ufernähe an der Vegetation. Der Schlupf dauert zwischen zwei und vier Stunden, je nach Wetter. Auf dem Foto unten sieht man ein Torf-Mosaikjungfer-Männchen kurz vor dem Jungfernflug. Den Schlupf haben wir in Österreich in 1900 m ü.NN Höhe fotografiert. An dem Gewässer waren stabile Pflanzen als Schlupfhilfe sehr selten.

Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea) Schlupf
Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea) -Männchen kurz vor dem Jungfernflug

 

Reifezeit:
Nach zwei bis vier Wochen ist die Torf-Mosaikjungfer geschlechtsreif. Bereits in den ersten Tagen entfernen sich die Libellen bis zu 10 km von ihrem Schlupfgewässer. Generell ist die Torf-Mosaikjungfer eine sehr umtriebige Art, die an einem Tag mehrere Gewässer aufsucht.

Jagdtyp:
Die Torf-Mosaikjungfer ist ein typischer Flugjäger, wenn sie sich setzt, dann nur um etwas Wärme zu tanken oder um sich kurz auszuruhen.

Paarungsverhalten:
Das Paarungsrad fliegt meist mehrmals über das Gewässer hin und her um anschließend in den Baumkronen die Paarung zu vollziehen. Der Akt kann bis zu 60 Minuten dauern. Nur bei anhaltendem Wind, hat man eine Chance das Paarungsrad in Augenhöhe ablichten zu können.

Eiablage:
Das Weibchen legt ihre Eier alleine in Torfmoosen ab. Die Prolarven überwintern in den Eiern und schlüpfen erst nach 21 Wochen.

Ruhehabitat:
Die Nacht verbringt die Torf-Mosaikjungfer in den Baumkronen.

Lebensdauer als Imago:
Etwa 3 Monate

Torf Mosaikjungfer (Aeshna juncea) Männchen
Männchen der Torf-Mosaikjungfer

 

Persönliche Erfahrungen:
Bislang konnten wir nur Fotos von dieser Art machen, wenn die Sonne über eine halbe Stunde am Stück schien und es nicht unter 15°C kalt war. Verschwand die Sonne, waren die Libellen wenige Minuten später auch verschwunden. Die Männchen setzen sich gerne auf ufernahe Baumstämme. Wenn man in der Nähe eines Stammes wartet, ist es nur eine Frage der Zeit, wann man ein Foto von dieser Art machen kann. Die Jahreszeit spielt bei der Torf-Mosaikjungfer eine große Rolle. Bis Mitte September fliegt die Torf-Mosaikjungfer fast den ganzen Tag durch, wenn sie sich setzt, dann meist in den Baumkronen. Wir haben dieser Art Ende Juli tagelang beim Fliegen zugesehen und am Abend waren dann innerhalb einer Stunde alle Männchen verschwunden. Erst gegen Ende der Flugzeit werden die Männchen sitzfreudiger, ab Mitte September hat man die besten Chancen Fotos zu machen.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (2000): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU