Kleine Zangenlibelle
(Onychogomphus forcipatus)

 

Kleine Zangenlibelle - male
Kleine Zangenlibelle - Männchen

 

Namen:
de: Kleine Zangenlibelle / en: Small Pincertail / s: Stenflodtrollslända
nl: Kleine Tanglibel / pl: smaglec ogonokleszcz (mniejszy)
Wissenschaftlicher Name: Onychogomphus forcipatus

Ordnung:
Unterordnung: Großlibellen / Familie: Flussjungfern (Gomphidae) / Gattung: Zangenlibellen (Onychogomphus)

Größen:
gesamte Körperlänge:
46-50 mm / Spannweite der Flügel: 50-60 mm

Flugzeit:
Ende Mai bis Mitte September

Höhepunkt der Flugzeit:
Im Juli bis August

Ähnliche Arten:
Große Zangenlibelle Westliche Zangenlibelle (O. f. uncatus)
Große ZangenlibelleWestliche Zangenlibelle

 

Merkmale:
Alle Zangenlibellen haben zangenähnliche Hinterleibsanhänge. Die Große Zangenlibelle hat blaue Augen und einen hellen Strich zwischen den Augen. Auch die Westliche Zangenlibelle hat blaue Augen, aber sie hat zwei helle Striche zwischen den Augen. Die Kleine Zangenlibelle hat grüne Augen und auch zwei helle Striche zwischen den Augen.

Lebensraum (Habitat):
Die Kleine Zangenlibelle lebt an sonnigen, naturnahen Gewässern, mit einem kiesigen oder sandigen Untergrund. Die Gewässer haben meist wenig Bewuchs direkt am Ufer. Auf dem Foto sieht man Bereiche, wo die Vegetation bis an das Wasser heran reicht, die Kleine Zangenlibelle hält sich aber fast nur auf den Steinbänken auf.

Habitat - Kleine Zangenlibelle
Habitat der Kleinen Zangenlibelle

 

Wissenswertes:
Morgens ab 8.00 Uhr sitzt die Kleine Zangenlibelle auf den umliegenden Wiesen. Gegen Mittag fliegen die Männchen an das Gewässer, dort sitzen sie gerne auf Steinen am Ufer. Die Weibchen kommen erst am späten Nachmittag dazu.

Gefährdung:
Seit 1998 haben sich die Bestände der Kleinen Zangenlibelle in Deutschland etwas erholt, die Kleine Zangenlibelle ist zwar immer noch gefährdet, aber nicht mehr vom Aussterben bedroht. Auch in der Schweiz, Österreich und in den Niederlanden ist diese Art gefährdet.

Besonderheiten:
Bei den Flussjungfern gibt es generell eine Besonderheit, die natürlich auch für die Kleine Zangenlibelle gilt. Die Flussjungfern schlüpfen in der horizontalen und nicht wie fast alle anderen Libellen in der vertikalen. Dabei entwickeln sich Flügel und Hinterleib fast gleichzeitig.

Larve:
Die Larve lebt drei bis fünf Jahre eingegraben im Flussboden und wird bis zu 26 mm groß.

Schlupf:
Ab Ende Mai schlüpfen die Larven der Kleinen Zangenlibelle dicht über der Wasseroberfläche, meist schlüpfen sie auf Steinen. Der Schlupf dauert bei der Kleinen Zangenlibelle etwa 40 bis 50 Minuten.

junges Männchen - Kleine Zangenlibelle
Kleine Zangenlibelle - sehr junges Männchen

 

Reifezeit:
Die Reifezeit dauert ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit jagd die Kleine Zangenlibelle zuerst in der näheren Umgebung und dann weit entfernt auf Wegen und auf Trockenrasen.

Kleine Zangenlibelle
Kleine Zangenlibelle - junges Männchen

 

Jagdtyp:
Die Kleine Zangenlibelle ist ein Ansitzjäger, die Männchen fliegen zum jagen nur kurz auf.

Paarungsverhalten:
Die Paarungen finden meist gegen Mittag in der Nähe des Gewässers statt.

Eiablage:
Die Weibchen streifen ihre Eier alleine im Flug über dem fließenden Wasser ab. Die Eier sinken zu Boden und nach drei bis vier Wochen schlüpfen die Prolarven. Das Weibchen der Kleinen Zangenlibelle kann bis zu 500 Eiern ablegen.

Kleine Zangenlibelle
Weibchen der Kleinen Zangenlibelle

 

Ruhehabitat:
Wahrscheinlich im Gras in den umliegenden Wiesen.

Lebensdauer als Imago:
Die Lebensdauer beträgt wahrscheinlich vier bis sechs Wochen.

Persönliche Erfahrungen:
Wir haben die Kleine Zangenlibelle bislang nur in Bayern und in Brandenburg gesehen. Dort saßen die Männchen fast den ganzen Tag auf flachen, hellen Steinen. Die Fluchtdistanz beträgt etwa einen halben Meter. Bei einem Meter werden die Männchen schon recht nervös. Verbringt man viel Zeit mit ihnen und läßt ihnen erstmal mehr Zeit, hat man es nachher deutlich leichter sich ihnen zu nähern. Das gilt übrigens auch für viele andere Libellenarten.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (2000): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU