Scharlachlibelle
(Ceriagrion tenellum)

 

Ceriagrion tenellum
Männchen (li) und Weibchen (re) der Scharlachlibelle

 

Namen:
de: Scharlachlibelle / en: Small Red Damsel / nl: Koraaljuffer /
pl: --- / se: ---
Wissenschaftlicher Name: Ceriagrion tenellum

Ordnung:
Unterordnung: Kleinlibellen / Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae) / Gattung: Ceriagrion

Größen:
gesamte Körperlänge:
25-35 mm / Spannweite der Flügel: 32-44 mm

Flugzeit:
Anfang Juni bis Mitte September, die Männchen sind ab 11.00 Uhr am Gewässer.

Höhepunkt der Flugzeit:
Im Juli

Ähnliche Arten:
Frühe Adonislibelle
Frühe Adonislibelle

 

Merkmale:
Beide Geschlechter der Scharlachlibelle haben rötliche Beine, die Frühe Adonislibelle hat schwarze Beine. Die Männchen der Scharlachlibelle haben keinen Antehumeralstreifen. Die Weibchen gibt es in vier Farbvarianten.

Ceriagrion tenellum - male
Männchen der Scharlachlibelle

 

Lebensraum (Habitat):
Die Scharlachlibelle lebt an kleinen, nicht beschatteten, stehenden und langsam fließenden Gewässern, die einen schlammigen Boden haben. Bei uns lebt die Scharlachlibelle seit weinigen Jahren an unserem Gartenteich, trotz hohen Fischbesatzes.

Habitat - Ceriagrion tenellum
Habitat der Scharlachlibelle

 

Wissenswertes:
Die Scharlachlibelle wird auch Zarte Rubinjungfer oder Späte Adonislibelle genannt. Die Scharlachlibelle und die Frühe Adonislibelle, sind die einzigen roten Kleinlibellen in Mitteleuropa.

Gefährdung:
Die Scharlachlibelle ist in Deutschland auf der Vorwarnliste, in der Schweiz ist die Art stark gefährdet und in den Niederlanden ist sie nicht gefährdet. In Österreich gibt es die Scharlachlibelle nicht.

Besonderheiten:
Die Scharlachlibellen-Weibchen gibt es in vier verschiedenen Farbvarianten: typica, erythrogastrum, melanogastrum, intermedium.

Ceriagrion tenellum - female
Scharlachlibelle - Weibchen - typica

 

Larve:
Die Larven leben im Gewässer zwischen der Vegetation, innerhalb von 2 Jahren werden sie 17 mm lang.

Schlupf:
In Mitteleuropa beginnt die Schlupfzeit Anfang Juni und geht bis Anfang August. Allerdings schlüpfen in den ersten zwanzig Tagen schon die Hälfte der Scharlachlibellen.

Reifezeit:
Die Reifezeit dauert etwa eine Wochen. In dieser Zeit halten sich die jungen Scharlachlibellen in der Nähe des Gewässers auf.

Ceriagrion tenellum - male
Scharlachlibelle - Männchen

 

Jagdtyp:
Die Scharlachlibelle ist ein typischer Ansitzjäger. Die Art ist generell recht flugfaul. Wenn man am Habitat entlang geht, drehen sich die Scharlachlibellen hinter die Grashälme, so dass man nur noch deren Augen sieht, statt das sie weg fliegen.

Paarungsverhalten:
Die Paarung findet in Ufernähe statt. Der Akt dauert 18 Minuten, er kann aber auch eineinhalb Stunden dauern.

Ceriagrion tenellum
Paarungsrad der Scharlachlibelle

 

Eiablage:
Die Weibchen legen ihre Eier ab Mittag im Tandem ab. Die Eier werden in Pflanzen eingestochen, die dicht unter der Wasseroberfläche sind. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die Prolarven.

Ceriagrion tenellum - female
Scharlachlibelle - Weibchen - melanogastrum

 

Ruhehabitat:
Das Ruhehabitat ist sehr wahrscheinlich dicht am Ufer in den Gräsern.

Lebensdauer als Imago:
Die Männchen können maximal knapp über 30 Tage alt werden.

Persönliche Erfahrungen:
Die Scharlachlibelle kann man problemlos beobachten oder fotografieren. Da beide Geschlechter nicht sehr flugfreudig sind, ist die größte Schwierigkeit, die Art in den Gräsern zu finden. Die Scharlachlibellen drehen sich gerne auf die Grasrückseite, so dass man nur noch ihre Augen sehen kann.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (1999): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 1, Kleinlibellen (Zygoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU