Bild des Monats
Das Bild des Monats kommt diesmal von Stefan Schaub. Er hat etwas fotografiert, dem rennen wir schon 20 Jahre nach und haben es nicht bekommen.
Stefan ist seit über 10 Jahren Moderator vom Makro-Forum.de und auch im Forum für Naturfotografen ist er sehr aktiv. Auf seinen Streifzügen durch die Natur hat er etwas ganz besonderes fotografiert, aber das erzählt er hier selbst:
"Meine Heimat ist der hessische Rheingau. Dort am Taunuskamm gibt es neben der Äskulapnatter und den Quelljungfern auch den dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Meine Stärken liegen bei der Makrofotografie auf den Themenbereichen Reptilien/Amphibien. In den Zwischenzeiten nach der Amphibiensaison gehe ich zu meinem Bach um Libellen und Schmetterlinge zu fotografieren.
Eigentlich laufe ich die Hotspots an meinem im Halbschatten liegenden Quellbach ab, um nach meinen Feuersalamanderlarven, den Blauflügligen Prachtlibellen und natürlich der zweigestreiften Quelljungfer zu sehen.
Der Tag begann leicht bewölkt, also keine gute Zeit für vermehrte Quelljungfern-Aktivität. Die beschränken ihren Patrouillenflug auf das wesentliche, sobald die Sonne mal kurz durch die Wolken stach. Also habe ich kurz umdisponiert, und bin auf die Wiese, die etwa 50 Meter über dem Bach liegt, um dort den Wiesenknopf-Ameisenbläuling nachzustellen.
Gerade als ich den Weg verließ um nach Blühpflanzen zu schauen vernahm ich ein knisterndes Brummen und Rascheln über mir. Davon aufgeschreckt schaute ich nach oben, und sah ein Quelljungfern-Libellenrad direkt vor mir auf einen Busch zufliegen.
In etwa 2.50 mtr. Höhe setzten sie sich an einem Ast eines Busches ab, um dort ihre etwa einstündige Fortpflanzungszeremonie, die Copula, zu beginnen. Zum Glück hatte ich statt meiner 150er Sigma Makrolinse das 100-500er Canon auf meiner R7 angebracht, welches mir zum Fotografieren dieser Seltenheit gute Dienste bot.
In dem Moment, wo man sich bewusst wird, das es so gut wie keine Bilder einer Copula dieser Art in Deutschland gibt, steigt der
Puls. Jetzt bloß nichts falsch machen, Ruhe bewahren....stimmen die Einstellungen, passt die Ausrichtung...bleiben sie dort sitzen ??
Tausend Gedanken schießen einem durch den Kopf.
Die ersten Belegbilder mit viel Buschwerk drumherum saßen. Ich muss eine höhere Position einnehmen, also auf einen Baumstumpf geklettert, Linse Freihand in Stellung gebracht um dann den besten Hintergrund zu bekommen.
Nach ca. 30-40 Bilder setzte sich das Duo wieder in Bewegung, um hoch in den Bäumen zu verschwinden.
Genau das ist das Problem, warum es nur äußerst wenige Dokumentationen davon gibt. Eigentlich hat man keine Chance diesem Ereignis beizuwohnen. Zu weit fliegen sie vom Bach weg um ihnen folgen zu können. Ich hatte an diesem Tag einfach nur das Glück des Tüchtigen.
Am Bach selbst ist es fast täglich gleich mehrmals zu beobachten, wenn die Männchen im raschen Flug durch die Vegetation die Weibchen schnappen, und ehe man sich versieht hoch in den Baumkronen zu verschwinden. Viele mit denen ich in Kontakt stehe kennen diese Situation, doch bisher konnte noch niemand die Vollendung einer Copula fotografisch festhalten.
Also schaute ich bei Onkel Google rein, ob es irgendwo im deutschsprachigen Raum eine Dokumentation oder Bilder darüber gibt.
Fehlanzeige !! Keine Bilder, keine Links, keine Filme NICHTS ....
Also bei Libellen TV reingeschaut, angefragt, und hier ist es nun....mein Bild einer Copula der zweigestreiften Quelljungfern, aufgenommen im hessischen Taunus an einem herrlichen Quellbach nahe meines Wohnortes."
Lieber Stefan, ich war und bin immer noch beeindruckt. Vielen Dank, dass du dieses Bild mit uns teilst.
Das ist echt etwas besonderes!