Libellenlarve

 

Libelleneier sind winzig klein, bis zu einem halben Millimeter kann ein Libellenei groß sein, aber die meisten Eier sind deutlich kleiner.
Je nach Libellenart und der Jahreszeit der Eiablage, schlüpfen die Larven wenige Wochen nach der Eiablage, oder im kommenden Frühjahr aus den Eiern. Die frisch geschlüpften Larven nennt man Prolarven - sie haben mehr Ähnlichkeit mit einem kleinen Wurm, als mit einer Libellenlarve. Die Weidenjungfer ist eine interessante Art, denn bei ihr kann man besonders gut die Eiablage und mit viel Glück, auch den Schlupf der Prolarve beobachten.

Im Spätsommer stechen die Weidenjungfern ihre Eier bevorzugt in Weidenzweige - was dieser Art ihren Namen einbrachte. Unten sieht man ein Tandem der Weidenjungfer bei der Eiablage. Wie die meisten Kleinlibellen, bleiben die Weidenjungfern bei der Eiablage als Tandem zusammen. Das Weibchen sticht mit ihrem Legebohrer ein Loch in die Rinde des Weidenzweiges. Dann platziert sie rechts und links von der Einstichstelle je zwei Eier.

An den Einstichstellen kann man erahnen, das sich unter der Rinde etwas verbirgt. Diesen Zweig habe ich an einem Kanal aufgesammelt, die Gemeinde hat Ende Oktober alle Büsche zurück geschnitten. Steckt man die abgeschnittenen Zweige nach dem Schnitt in die feuchte Erde, bleibt der Zweig und die darin enthaltenen Libelleneier lebensfähig. Läßt man die Äste liegen, trocknen die Zweige aus, die Rinde wird hart und die Weidenjungfern sterben. Eine Möglichkeit die Weidenjungfern zu schützen wäre, dass man die Weiden an einem Gewässer nur von Ende April bis Anfang Juli schneidet oder wenn das so nicht möglich ist, kann man am Jahresende immer nur den halben Weidenbestand schneiden. So rettet man zu mindest einen Teil der Libellenlarven.

Bitte denken Sie an die Libellenlarven, wenn Sie an Ihrem Teich Weichholz-Zweige schneiden.
Auf dem Foto sind die typischen Einstichstellen in einem Weidenzweig. Nach wenigen Wochen reagiert die Weide und verschließt die Einstichlöcher, es bleiben Wülste zurück - ein deutliches Zeichen, dass die Weidenjungfer hier Eier gelegt hat.

Zweig

Von März bis Mitte April schlüpfen die Prolarven aus ihren Zweigen und springen in das Gewässer. Die Prolarve auf dem Foto hat sich aus dem Zweig befreit und ist kurz davor in das Wasser zu springen. Etwa 1,5 mm ist die Larve groß - es ist unglaublich, was die Prolarve schon leisten muss um überleben zu können.

Prolarve

Weinigen Minuten nachdem die Prolarve das Wasser erreicht hat, häutet sie sich zum ersten mal und wird dadurch zur Libellenlarve. Nach drei Tagen ist die Weidenjungferlarve (unten) etwa drei mm lang. Die Wasserflöhe haben in dieser Zeit keinerlei Respekt vor der Libellenlarve. Die Larve selbst frisst alles was kleiner ist als sie selbst, oft sind das tote Wasserflöhe.

Weidenjungfer-Larve

Zwei Wochen später ist die Libellenlarve deutlich gewachsen. In diesem Stadium jagt sie schon aktiv Wasserflöhe, später sind auch Mückenlarven ein Teil ihrer Nahrung. Libellenlarven von Großlibellen, wie der Große Königslibelle, erbeuten auch Kaulquappen und ganz kleine Fische.

Weidenjungfer - Larve

In den ersten drei Monaten leben die Libellenlarven als Lauerjäger im Gewässer, dort sitzen sie meist im Verborgenen und warten auf kleine vorbeischwimmende Wassertiere. Schwimmt etwas essbares nah genug an der Larve vorbei, wird es mit ihrer Fangmaske gefangen und verspeist. Die meisten Libellenlarven leben so ein bis drei Jahre unter Wasser und häuten sich in dieser Zeit etwa zwölf mal. Die Weidenjungferlarve ist in drei Monaten ausgewachsen.

Das Weidenjungfer-Weibchen putzt gerade ihre Fangmaske (verlängerte Unterlippe), kurz vorher hat sie einen vorbei schwimmenden Wasserfloh gefangen und gefressen. Alle Libellenlarven haben eine Fangmaske die sie im Bruchteil einer Sekunde vorschnellen lassen können. Vorne an der Fangmaske sind zwei dornenartige Zähne, mit deren Hilfe die Larve ihre Beute fangen kann.

Auf dem unteren Foto sieht man deutlich, wie groß der Unterschied zwischen einer ein Tag alten und einer ausgewachsenen Weidenjungferlarve ist.

Libellenlarve

Die Exuvie der Grossen Königslibelle (unten) ist doppelt so lang wie eine Weidenjungferlarve.

Königslibellen - Exuvie

Exuvie der Grossen Königslibelle - die Larve kann bis zu 5,9 cm groß werden.

Zur letzten Häutung (Schlupf) klettern die Libellenlarven meist an einer Pflanze aus dem Wasser. Dort brechen sie mit ihrem Rücken die Sollbruchstelle ihrer alten Haut auf, um sich ein letztes mal zu häuten. Etwa ein bis drei Stunden später wird sie zur Libelle, einem flugfähigen Insekt. Zurück bleibt die leere Haut der Libellenlarve, die sogenannte Exuvie.

Auf dem Foto unten ist die Exuvie der Weidenjungfer.

Weidenjungfer - Exuvie

Die Weidenjungfer-Larve wächst innerhalb von 3 Monaten von 1,5 mm (Prolarve) bis zu einer Länge von 2,9 cm. Nach dem letzten Schlupf ist die Weidenjunger-Libelle bis zu 4,8 cm lang.

Wenn man am Hausteich mit dem Kescher Algen oder Blätter raus holt, hat man manchmal auch Libellenlarven als Beifang. Zum Schutz der Tiere entleert man am besten den Kescher in der Nähe des Wassers. Die Larven können dann wieder in das Wasser krabbeln ohne das sie einen Schaden davon tragen.

Viele Wasserpflanzen werden aus Asien importiert. Dort ist es warm und die Pflanzen werden im freien gezüchtet. Nicht selten stechen Libellen ihre Eier in diese Pflanzen. Wenn sie dann in den Laden kommen, sind die Libellenlarven kurz vor dem Schlupf aus dem Ei. Im Aquarium können die Libellenlarven gut überleben, dort ist es warm und sie werden mit ausreichender Nahrung versorgt. Bei allen Anfragen die bis jetzt bei mir eingegangen sind, waren Pechlibellen im Aquarium. Leider sind diese Pechlibellen nicht bei uns in Europa heimisch. Das bedeutet, dass diese Tiere nicht freigelassen werden dürfen!

Die Larven der Großen Königslibelle werden bis zu 6 cm lang, damit sind sie die größten Libellenlarven in Europa. Ihre Entwicklung dauert ein bis zwei Jahre. Kleine Fische meiden normalerweise die großen Libellenlarven, doch diese Karausche sieht nur noch die rote Mückenlarve.

Libellenlarve mit Fisch
Karausche und Libellenlarve (Anax imperator) streiten sich um Mückenlarve

Im letzten Moment sieht die Karausche die Gefahr und zieht sich schnell zurück. Die Larve dreht nur ihren Kopf ein wenig zur Seite und fängt die Mückenlarve mit ihrer Fangmaske.

Libellenlarve mit Nahrung
Libellenlarve fängt Mückenlarve

Die sogenannte Fangmaske ist der erweiterte Unterkiefer der Libellenlarve. Damit ist sie in der Lage ihre Beute in Bruchteilen einer Sekunde zu fangen und sie gleich ins Maul zu ziehen. In Alienfilmen ist dieses Prinzip schon zu sehen.

Die Larve der Großen Königslibelle ist auf dem Bild schon ausgewachsen, ihr Schlupf steht unmittelbar bevor.

Hier gibt es alle Information über den Schlupf von Libellen.