Speer-Azurjungfer
(Coenagrion hastulatum)

 

Der Bestand der Speer-Azurjungfer ist in Deutschland seit Ende 2012 erstmals stark gefährdet, deshalb wurde sie vom BUND zur Libelle des Jahres 2013 gewählt. Man will an diesem Beispiel zeigen, wie stark die Bestände der meisten Libellenarten in Deutschland zurück gehen. Da auch heute noch viele Moorseen trocken gelegt werden, sind gerade die in Mooren lebenden Libellen stark bedroht!

Die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) ist eine Kleinlibelle, sie lebt vorwiegend an Hochmooren mit starker Ufervegetation. Zwar lebt sie auch an nährstoffarmen vegetationsreichen Kleinseen, aber dort trifft man sie eher selten. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt im Noden Deutschlands und reicht bis zum Polarkreis. Ihre Flugzeit beginnt Mitte Mai und endet Anfang August.

Die Speer-Azurjungfer ist eine von acht Azurjungfern. Im Gegensatz zu den anderen Azurjungfermännchen, hat das Männchen der Speer-Azurjungfer auf dem 3.ten Hinterleibssegment eine schwarze Speerspitze, der sie ihren Namen verdankt. Auch die Zeichnung auf dem 2.ten Hinterleibssegment ist typisch für diese Art, aber da die Zeichnung auf dem 2.ten Segment bei jeder Azurjungferart sehr variabel ist, muß man wirklich genau hinschauen um sie so zu bestimmen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal beim Speer-Azurjungfer-Männchen ist ihre hellblaue Körperfarbe. Zwar sind alle Azurjungfermännchen blau, aber die Speer-Azurjungfer ist deutlich heller. Vorsicht - auf Fotos die in der prallen Sonne gemacht wurden, wirken auch die anderen Azurjungfermännchen oft hellblau.

Speer Azurjungfer Coenagrion hastulatum

Oben und unten sehen sie ein Männchen der Speer-Azurjungfer. Das Foto wurde an einem bewölken Tag gemacht,
so daß man die Farbe besonders gut erkennen kann. Die Zeichnung auf dem 2.ten Segment ist stark variabel aber
man kann sie dennoch zur Bestimmung der Art benutzen.

Männchen der Speer Azurjungfer Coenagrion hastulatum

Unten sehen sie ein junges Männchen der Speer-Azurjungfer. Die ersten Tage nach dem Schlupf entfernt sich die
Speer-Azurjungfer in die umliegende Vegetation um dort ihre Reifezeit zu durchleben. In dieser Zeit sind die
Männchen und die Weibchen noch den ganzen Tag zusammen.

Speer-Azurjungfer Männchen

Die Speer-Azurjungfer hält sich gerne in Ufernähe auf. Mit einer Körperlänge von 31-33 mm ist sie aber in den
Gräsern nur schwer zu finden.

Speer Azurjungfer Coenagrion hastulatum

Die Weibchen der Speer-Azurjungfer (unten) sehen den Weibchen der Hufeisen-Azurjungfer zum verwechseln
ähnlich. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist hier die Ausbuchtung der Vorderbrust-Hinterrand.

Weibchen der Speer-Azurjungfer

Die Paarung dauert max. 15 Minuten und findet in Ufernähe statt. Die anschließende Eiablage macht das Weibchen
im Tandem, dabei werden die Eier meist in Torfmoos abgelegt. Manchmal tauchen beide zur Eiablage eine halbe
Stunde gemeinsam unter Wasser. Nur die Mond-Azurjungfer zeigt ein ähnliches Verhalten bei der Eiablage.
Unten sehen sie ein Tandem der Speer-Azurjungfer kurz nach der Paarung und unmittelbar vor der Eiablage.

Tandem der Spee-Azurjungfer

Die Prolarven schlüpfen schon zwei bis drei Wochen später aus den Eiern und leben dann für ein bis vier Jahre
zwischen Pflanzenteilen. Die Lebensdauer der Larven richtet sich nach der Gewässertemperatur, in Norwegen
braucht die Speer-Azurjungfer durch die Kälte länger, bis sie sich voll entwickelt hat.

 

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (1999): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 1, Kleinlibellen (Zygoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU