Kleine Binsenjungfer
(Lestes virens)

 

Lestes virens
Männchen der Kleinen Binsenjungfer

 

Namen:
de: Kleine Binsenjungfer / en: Small Spreadwing / nl: Tengere pantserjuffer /
pl: pałątka mała / se: Mindre smaragdflickslända
Wissenschaftlicher Name: Lestes virens vestalis

Ordnung:
Unterordnung: Kleinlibellen / Familie: Teichjungfern (Lestidae) / Gattung: Binsenjungfern (Lestes)

Größen:
gesamte Körperlänge:
30-39 mm / Spannweite der Flügel: 40-50 mm

Flugzeit:
Mitte Juni bis Mitte November

Höhepunkt der Flugzeit:
Mitte August bis Anfang Oktober

Ähnliche Arten:
Gemeine Binsenjungfer Glänzende Binsenjungfer
Gemeine BinsenjungferGlänzende Binsenjungfer

Weidenjungfer
Weidenjungfer

 

Merkmale:
Der Körper ist metallisch grün. Das zweite Segment ist beim Männchen komplett grün. Die unteren Hinterleibsanhänge sind beim Männchen sehr klein.

Lebensraum (Habitat):
Die Kleine Binsenjungfer lebt in warmen, relativ nährstoffreichen Tümpeln, kleinen Seen und Torfstichen. Die Art meidet große Schilfgebiete. Die Gewässer können im Sommer kurz austrocknen.

Habitat von Lestes virens
Habitat der Kleinen Binsenjungfer

 

Wissenswertes:
Die Männchen verfolgen 3 Strategien um sich mit einem Weibchen zu paaren. Ein kleiner Teil der Männchen wartet an den Eiablagestellen auf die Weibchen, einige suchen die Weibchen weiter vom Gewässer entfernt, in ihrem Landhabitaten und die große Mehrheit wartet etwa 20 m von Ufer entfernt auf die Weibchen. Die Weibchen fliegen bis zu 5 m hoch über die Männchen hinweg, nur der schnellste kann sich bei einem Weibchen ankoppeln um sich mit ihr zu paaren.

Gefährdung:
Der Bestand der Kleinen Binsenjungfer ist in Deutschland stark gefährdet. In Österreich und der Schweiz ist die Art sogar vom Aussterben bedroht. Nur in den Niederlanden ist die Kleine Binsenjungfer nicht gefährdet.

Besonderheiten:
Im Vergleich zu der Gemeinen- und der Glänzenden Binsenjungfer ist das zweite Segment der Männchen nicht blau bereift. Auf dem Foto kann man das sehr gut erkennen. Das Männchen ist schon geschlechtsreif, hat aber keine blaue Wachsbereifung auf dem 2. Segment!

Kleine Binsenjungfer
Adultes Männchen der Kleinen Binsenjungfer

 

Larve:
Die Larve lebt nur wenige Monate in der flachen Uferzone bevor sie sich in eine Libelle verwandelt. Sie wird bis zu 26 mm groß.

Schlupf:
Ab Mitte Juni schlüpfen die ersten Larven der Kleinen Binsenjungfer. Manchmal zieht sich die Schlupfperiode bis Anfang August hin. Die Larven schlüpfen in 20 bis 50 cm Höhe bevorzugt an Schachtelhalmen und an Röhricht.

Lestes virens Weibc hen
Weibchen der Kleinen Binsenjungfer

 

Reifezeit:
Die Reifezeit dauert etwa sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit lebt die Kleine Binsenjungfer auf nicht bewirtschafteten Flächen mit kniehohem Bewuchs, manchmal über einen Kilometer vom Gewässer entfernt.

Jagdtyp:
Die Kleine Binsenjungfer ist ein Ansitzjäger, die Männchen sitzen gerne in der Heide oder in den Binsen. Unten ist ein älteres Männchen auf seinem Ansitz, im Alter verfärben sich die Tiere und werden kupferfarben.

altes Männchen der Kleinen Binsenjungfer
Altes Männchen der Kleinen Binsenjungfer

 

Paarungsverhalten:
Die Paarung findet gegen Mittag in Gewässernahe statt und kann bis zu einer halben Stunde dauern.

Eiablage:
Das Weibchen legt seine Eier zuerst im Tandem ab, nach einer gewissen Zeit trennt sich das Männchen vom Weibchen, so dass sie ihre Eier dann alleine ablegt. Von 12.00 bis 14.00 Uhr sieht man die meisten Eiablagen. Die Weibchen legen ihre Eier in lebenden, toten, halbverfaulten und in vertrockneten Wasserpflanzen jeglicher Art ab.

Kleine Binsenjungfer - Eiablage
Eiablage der Kleinen Binsenjungfer

 

Ruhehabitat:
In der Nacht bleibt die Kleine Binsenjungfer in Gewässernähe. Sie übernachtet gerne an windgeschützten Stellen in Büschen oder an längeren Schilfhalmen.

Lebensdauer als Imago:
Die Kleine Binsenjungfer kann maximal 80 Tage alt werden.

Persönliche Erfahrungen:
Die Kleine Binsenjungfer ist relativ leicht zu finden, an warmen Tagen warten die Männchen etwa 20 Meter vom Ufer entfernt auf ihre Weibchen. Wir haben diese Art oft im Heidekraut sitzen gesehen. Das sie lieber in Kniehöhe sitzt, kann ich nicht bestätigen. Aus unserer Erfahrung sitzen sie mehr in Bodennähe.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (1999): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 1, Kleinlibellen (Zygoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU