Hochmoor-Mosaikjungfer
(Aeshna subarctica elisabethae)

 

Hochmoor Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) Männchen
Männchen der Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae)

 

Flugzeit:
Ende Juni bis Anfang Oktober; wenn es warm ist, kommen sie ab 9.oo Uhr an das Gewässer und fliegen dann bis etwa 17.oo Uhr.

 

Merkmale:
Die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) unterscheidet sich von der Torf-Mosaikjungfer vor allem durch die kleinen blauen Flecken oben auf dem Hinterleib (Segment 2 und Segment 3). Die Antehumeralstreifen oben auf dem Thorax sind nagelförmig und die Flügelvorderkante ist bei der Hochmoor-Mosaikjungfer braun. Weitere Merkmale gibt es in dem Blog unter Großlibellen - Erkennungsmerkmale juncea-subarctica

 

In unserem Libellen Handbuch sind alle
wichtigen Merkmale dieser Art aufgeführt.
Männchen und Weibchen werden dort in der Auf-
und in der Seitenansicht gezeigt und beschrieben.

Männchen
Weibchen
Das Libellen Handbuch ist die optimale Ergänzung zu dieser Homepage !

 

Lebensraum (Habitat):
Die Hochmoor-Mosaikjungfer lebt nur in Hochmooren und mesotrophen Niedermooren, dort benötigt sie Wasserstellen mit viel Torfmoosen und Schwingrasen. Auf dem Foto (unten) ist ein typisches Habitat der Hochmoor-Mosaikjungfer. Das Moor hat nur kleine freie Wasserflächen, an den Wasserrändern findet man fast überall Torfmoose. Ein Großteil der Fläche besteht aus Schwingrasen.

Habitat der Hochmoor-Mosaikjungfer
Habitat der Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) - Hochmoor in Niedersachsen

 

Wissenswertes:
Wenn man von der Hochmoor-Mosaikjungfer spricht, wird oft auch die Torf-Mosaikjungfer erwähnt. Beide Arten leben in Mooren und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Das ist auch der Grund dafür, dass die Hochmoor-Mosaikjungfer erst 1927 entdeckt wurde. Vorher dachte man, dass die Hochmoor-Mosaikjungfer nur eine Farbvariante der Torf-Mosaikjungfer wäre. In der Schweiz wurde die Hochmoor-Mosaikjungfer erst 1978 entdeckt und in Frankreich erst 1981.

Auch wenn es uns schwer fällt die Hochmoor-Mosaikjungfer von der Torf-Mosaikjungfer zu unterscheiden, die beiden Libellenarten hatten noch nie ein Problem damit. Herrn Werner Clausen fiel 1981 auf, dass die Männchen in einem Revier fast immer von unter her angegriffen wurden. Die Angriffe waren entweder recht heftig oder sehr schwach. Nach einigen Tagen bemerkte Herr Clausen, dass sich zwei Männchen derselben Art immer stark attackierten, während sich zwei Männchen unterschiedlicher Art nur wenig bekämpften. Clausen wurde schnell klar, dass es ein Erkennungsmerkmal auf Unterseite der beiden "Moor-Mosaikjungfern" geben musste und tatsächlich hat die Hochmoor-Mosaikjungfer zwei große gelbe Flecken auf der Thoraxunterseite, die bei der Torf-Mosaikjungfer nur sehr klein vorhanden sind. Die Entdeckung von Herrn Clausen finde ich sehr interessant, weil er durch reines Beobachten der Libellen ein neues Erkennungsmerkmal für die Hochmoor-Mosaikjungfer und für die Torf-Mosaikjungfer gefunden hat.

Hochmoor-Mosaikjungfer von unten
Hochmoor-Mosaikjungfer-Männchen von unten - Vielen Dank an Herrn Werner Clausen für dieses tolle Foto und für die interessante Information.

 

Gefährdung:
In Deutschland und in Österreich ist die Hochmoor-Mosaikjungfer vom Aussterben bedroht. In der Schweiz und in den Niederlanden ist die Art gefährdet. Durch den Torfabbau sind die Lebensräume der Hochmoor-Mosaikjungfer stark gefährdet. Jahr für Jahr werden enorme Mengen an Blumenerde benötigt, die in trockengelegten Mooren gewonnen werden. Etwa zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf werden jedes Jahr nur in Deutschland abgebaut, es ist ein Irrsinn, dass diese einzigartigen Landschaften dafür geopfert werden. Ich möchte an dieser Stelle jedem ins Gewissen reden und darum bitten, dass man keine Torferde mehr kauft. Es gibt Alternativen aus Rindenhumus und Holzfasern, die für Blumen besser geeignet sind, weil sie den Boden nicht versauern und Wasser länger speichern können. Das Torferde so beliebt ist, hat nur einen Grund - sie ist etwas billiger als andere Erde. Argumente, dass die Gebiete wieder renaturiert werden, sind absoluter Schwachsinn. Es dauert Jahrzehnte, bis sich die Natur von diesem Schock erholt hat. Ob irgendwann alle Tierarten, die zuvor in dem ursprünglichen Moor gelebt haben, jemals wieder dort leben werden, ist unwahrscheinlich.

Unten ist ein typisches Torf-Abbaugebiet zu sehen, alle Tiere die dort gelebt haben und auf das Moor angewiesen waren, sind nun tot!
Wenn man hier von Renaturierung spricht, meint man nur das Wiederherstellen einer "hübschen" Landschaft - für die Tiere interessiert sich hier keiner!

 

Torf-Abbau
Torf-Abbau in Niedersachsen

 

Besonderheiten:
Wenn man nach Libellen sucht, findet man oft die Männchen am Gewässer ohne lange suchen zu müssen, die Weibchen sind deutlich schwerer zu finden. Die beiden Weibchen der "Moor-Zwillinge" sind da eine kleine Ausnahme. Dadurch, dass sie ihre Eier meistens in den flachen und ufernahen Torfmoosen ablegen, sind die Weibchen leicht zu finden. Es gibt in den meisten Mooren nichts, was die Sicht auf die Weibchen versperrt.

Wie bereits erwähnt, sind sich die Hochmoor-Mosaikjungfer und die Torf-Mosaikjungfer sehr ähnlich, das gilt besonders für die Weibchen. Ein paar Erkennungsmerkmale der Männchen habe ich oben schon beschrieben. Die Unterscheidungsmerkmale der beiden Weibchen schreibe ich bewusst unter Besonderheiten. Im Prinzip sind die gelben Flecke oben auf dem Hinterleib bei der Hochmoor-Mosaikjungfer etwas kleiner als bei der Torf-Mosaikjungfer, und die vordere Flügelkante ist bei der Hochmoor-Mosaikjungfer braun und bei der Torf-Mosaikjungfer gelb - wie bei den Männchen. Dennoch gelten diese Merkmale nicht als eindeutiges Erkennungsmerkmal. Die beiden Weibchen kann man eigentlich nur an den Hinterleibsanhängen gut auseinander halten. Bei dem Hochmoor-Mosaikjungfer-Weibchen stehen die beiden Anhänge parallel zueinander, dagegen stehen die beiden Anhänge der Torf-Mosaikjungferweibchen im 45° Winkel (V-förmig) zueinander.

Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) Weibchen
Hochmoor-Mosaikjungfer -Weibchen

 

Larve:
Die Larve lebt drei bis vier Jahre im Wasser. In dieser Zeit häutet sich die Larve 15- bis 17-mal und erreicht dabei eine maximale Körperlänge von 37 mm bis 43 mm. Auf der Suche nach Nahrung wechselt die Larve ständig ihren Lebensraum.

Schlupf:
Ende Juni bis Ende August schlüpfen die Hochmoor-Mosaikjungfern in Ufernähe an der Vegetation, meist dicht über dem Wasser. Wenn sie Äste oder abgestorbene Bäume am Ufer haben, werden diese aber auch beim Schlupf angenommen. Das Männchen unten auf dem Foto ist kurz vor seinem Jungfernflug. Der Schlupf dauert zwischen zwei und vier Stunden, je nach Wetter.

Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) Schlupf
Jungfernflug einer Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) -Männchen

 

Reifezeit:
Nach ca. einem Monat ist die Hochmoor-Mosaikjungfer geschlechtsreif. Bereits in den ersten Tagen entfernt sich die Libelle bis zu 10 km von ihrem Schlupfgewässer. Generell ist die Hochmoor-Mosaikjungfer eine sehr umtriebige Art, die an einem Tag mehrere Gewässer aufsucht.

Jagdtyp:
Die Hochmoor-Mosaikjungfer ist ein typischer Flugjäger, wenn sie sich setzt, dann nur um etwas Wärme zu tanken oder um sich kurz auszuruhen.

Hochmoor-Mosaikjungfer im Flug
Hochmoor-Mosaikjungfer-Männchen im Flug

 

Paarungsverhalten:
Das Paarungsrad fliegt meist mehrmals über dem Gewässer hin und her, um anschließend in den Baumkronen die Paarung zu vollziehen. Der Akt kann bis zu 60 Minuten dauern. Nur bei anhaltendem Wind hat man eine Chance das Paarungsrad in Augenhöhe beobachten zu können. Das Paarungsrad auf dem Foto saß in nur knapp einen Meter Höhe.

Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) Paarung
Paarung der Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae)

 

Eiablage:
Das Weibchen legt seine Eier alleine in Torfmoosen ab. Die Prolarven überwintern in den Eiern und schlüpfen erst nach 21 Wochen.

Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) Eiablage
Das Weibchen der Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica elisabethae) bei der Eiablage

 

Ruhehabitat:
Die Nacht verbringt die Hochmoor-Mosaikjungfer in den gewässernahen Baumkronen.

Lebensdauer als Imago:
In Norddeutschland etwa 10 Wochen und in Süddeutschland bis zu 20 Wochen.

Hochmoor-Mosaikjungfer Männchen
Männchen der Hochmoor-Mosaikjungfer

 

Persönliche Erfahrungen:
Bislang konnten meine Frau und ich nur Fotos von dieser Art machen, wenn die Sonne über eine halbe Stunde am Stück schien und es nicht unter 15°C kalt war. Verschwand die Sonne, waren die Libellen wenige Minuten später auch verschwunden. Die Männchen setzen sich gerne, wie auf dem Bild oben zu sehen, auf helle Birkenstämme, die dicht am Ufer standen. Wir mussten nur in der Nähe eines Stammes warten und hatten dann ein Foto.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (2000): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU