Gemeine Binsenjungfer
(Lestes sponsa)

 


Männchen der Gemeinen Binsenjungfer

 

Namen:
de: Gemeine Binsenjungfer / en: Common Spreadwing / nl: Gewone pantserjuffer /
pl: pałątka pospolita / se: Allmän smaragdflickslända
Wissenschaftlicher Name: Lestes sponsa

Ordnung:
Unterordnung: Kleinlibellen / Familie: Teichjungfern (Lestidae) / Gattung: Binsenjungfern (Lestes)

Größen:
gesamte Körperlänge:
35-39 mm / Spannweite der Flügel: 35-50 mm

Flugzeit:
Mitte Juni bis Mitte September

Höhepunkt der Flugzeit:
Juli bis Anfang August

Ähnliche Arten:
Glänzende Binsenjungfer Kleine Binsenjungfer
Glänzende BinsenjungferKleine Binsenjungfer

Weidenjungfer
Weidenjungfer

 

 

 

Merkmale:
Der Körper ist metallisch grün und im Alter kupferfarben. Das zweite Segment ist beim Männchen komplett blau bereift. Die unteren Hinterleibsanhänge sind beim Männchen fast so lang wie die oberen Anhänge.

Lebensraum (Habitat):
Die Gemeine Binsenjungfer lebt in vorwiegend an sonnigen stehenden Kleingewässern mit mäßiger Vegetation in der Uferzone. Das können Teiche, Gräben und Moore sein, aber auch langsam fließende Bäche oder Seitenarme von Flüssen. Besonders häufig kommt sie in Höhen von 200 m bis zu 500 m ü. N.N.

Habitat von Lestes sponsa
Habitat der Gemeinen Binsenjungfer

 

Wissenswertes:
Die Reifezeit der Gemeinen Binsenjungfer dauert in Deutschland etwa zwei bis drei Wochen. Je weiter man nach Süden kommt, umso länger dauert die Reifezeit. Dieses Phänomen gibt es auch bei anderen Libellenarten. In Japan dauert die Reifezeit der Binsenjungfer ca. 14 Wochen. Damit schützen sich die Libellen davor, dass ihre Larven in warmen Jahren schon vor dem Winter ausschlüpfen.

Gefährdung:
Der Bestand der Gemeinen Binsenjungfer ist in Deutschland, Österreich und in den Niederlanden nicht gefährdet. Nur in der Schweiz ist der Bestand der Gemeinen Binsenjungfer potenziell gefährdet.

Besonderheiten:
Bei den Binsenjungfermännchen ist das zweite Hinterleibssegment etwas Besonderes. Die Gemeine-, Kleine- und die Glänzende Binsenjungfer kann man von weitem fast nicht unterscheiden, aber durch das zweite Segment wird es recht einfach. Bei der Gemeinen Binsenjungfer ist das 2.te Segment komplett blau bereift. Bei der Glänzende Binsenjungfer ist es nur zur Hälfte blau bereift und bei der Kleinen Binsenjungfer ist es komplett grün.

altes Männchen der Gemeinen Binsenjungfer
Altes Männchen der Gemeinen Binsenjungfer

Auf den beiden Fotos kann man das Merkmal sehen. Bei dem relativ alten Männchen oben sieht man, dass sich die blaue Bereifung vom Thorax bis zum 2.ten Segment hinzieht. Das untere Männchen ist jung, das zweite Segment ist aber auch hier schon komplett blau bereift. Bei wenigen Tagen alten Männchen ist die Bereifung noch nicht zu sehen.

Gemeine Binsenjungfer - junges Männchen
Junges adultes Männchen der Gemeinen Binsenjungfer

 

Larve:
Die Larve lebt zwischen den Wasserpflanzen, bis zu 1 m tief. Selten findet man Larven am Boden, sie meidet freie Flächen wegen der Predatoren. Die Larven werden 24 bis 31 mm groß.

Schlupf:
Wie bei vielen Libellenarten, ist auch bei der Gemeinen Binsenjungfer der Schlupf stark temperaturabhängig. Ab Mitte Mai können die ersten Larven schlüpfen. Die meisten schlüpfen aber von Anfang Juni bis Mitte Juni. Als Schlupfsubstrat werden Stängel und Halme von 10 bis 30 cm bevorzugt. Die Larven schlüpfen oft auf der Blattunterseite, dort sind sie etwas besser vor Regen geschützt. Dennoch gibt es auch bei dieser Art immer wieder Schlupffehler. Das Männchen unten hatte offen sichtlich etwas Pech beim Schlupf, aber da sich die Flügel normal entwickelt haben, ist das Männchen lebensfähig.

Lestes sponsa Schlupffehler
Männchen mit Schlupffehler

 

Reifezeit:
Die Reifezeit dauert etwa zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit lebt die Gemeine Binsenjungfer auf umliegenden Wiesen und Lichtungen. Die Weibchen entfernen sich deutlich weiter vom Gewässer als die Männchen. Einige markierte Weibchen wurden bis zu 1 Km vom Habitat entfernt wieder gefunden. Die Gemeine Binsenjungfer ist oft schon nach wenigen Tagen voll ausgefärbt.

Jagdtyp:
Wie alle Binsenjungfern, ist auch die Gemeine Binsenjungfer ein Ansitzjäger, die Männchen sitzen gerne an Binsen- oder Schilfhalmen. Das Männchen (unten) ist schon relativ alt, im Alter verfärben sich die Tiere kupferfarben.

altes Männchen - Lestes sponsa
Altes Männchen der Gemeinen Binsenjungfer

 

Paarungsverhalten:
Die ersten Paarungsräder kann man ab 9.00 Uhr in Ufernähe sehen. Zwischen 11.00 bis 12.30 Uhr ist das Paarungsmaximum. Der Akt selber kann von 5 Minuten bis zu 70 Minuten dauern.

Paarungsrad Lestes sponsa
Paarungsrad der Gemeinen Binsenjungfer

 

Eiablage:
Ab 11.00 Uhr fliegen die ersten Tandems zur Eiablage, die Eier werden fast nur zu zweit abgelegt. Dabei werden grüne Halme und Blätter in Ufernähe bevorzugt. Manchmal werden die Eier auch bis zu einem halben Meter unter Wasser abgelegt. Dazu taucht das Tandem bis zu einer halben Stunde unter Wasser.

Lestes sponsa Weibchen
Älteres Weibchen der Gemeinen Binsenjungfer

 

Ruhehabitat:
Die Nacht verbringt die Gemeine Binsenjungfer in Gewässernähe. Sie übernachtet gerne in Bodennähe, die Männchen sitzen etwas höher als die Weibchen in der Vegetation. Meist findet man Pech- und Heidelibelle in ihrer Nähe.

Lebensdauer als Imago:
Die Gemeine Binsenjungfer kann bis zu 70 Tage alt werden.

Persönliche Erfahrungen:
Wenn die Gemeine Binsenjungfer an einem Gewässer vorkommt, ist sie relativ häufig. Die Männchen halten sich gerne in Ufernähe auf. Dort findet man sie in der Vegetation in Bodennähe (bis 60 cm) sitzend. Gegen 16.00 Uhr nimmt die Anzahl der Paarungen und Eiablagen deutlich ab. Dann kann man auch die Weibchen einzeln am Gewässer sehen.

 

Empfehlenswerte Literatur:
1) Dirk Pape-Lange (2014): Libellen Handbuch - Libellen sicher bestimmen; Libellen.TV, Hannover
2) Dijkstra, K.-D. B. /Lewington (2014): Libellen Europas - Der Bestimmungsführer; Bern
3) Sternberg, K. & R. Buchwald (1999): Die Libellen Baden-Württembergs, Bd. 1, Kleinlibellen (Zygoptera); Stuttgart
4) Wildermuth, Hansruedi und Martens, Andreas (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt; Quelle & Meyer
5) Heidemann, Harald & Seidenbusch, Richard (2002): Die Tierwelt Deutschlands, 72. Teil, Die Libellenlarven Deutschlands, ; Goecke & Evers, Keltern
6) Brochard, Christoph; Croenendijk; van der Ploeg; Termaat (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist
7) Glitz, Dietmar (2014): Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel, NABU