Warum zittern sich Libellen warm?

 

An kalten Tagen sitzen Libellen häufig länger in der Vegetation, als an warmen Tagen. Je kälter es ist, desto kleiner wird ihre Fluchtdistanz. Für dieses Verhalten gibt es einen guten Grund.

Libellen sind keine Warmblüter, sie können mit ihrem Stoffwechsel keine Wärme produzieren. Bei allen Säugetieren und Vögeln wird die nötige Wärme im Körper, durch den Stoffwechsel bereit gestellt. Aber je kälter es wird, desto schwerer wird es für den Stoffwechsel die nötige Wärme zu erzeugen. Sinkt die Körpertemperatur weiter ab, zucken unsere Muskeln reflexartig um eine Unterkühlung zu verhindern. Jeder kennt das - wenn wir frieren, zittert unser Körper. Kühlt unser Körper weiter ab, besteht Lebensgefahr. Unter 27°C Körpertemperatur können Menschen nicht überleben, der Körper wird starr und danach setzt die Atmung aus.

Bei den Libellen ist das anders, sie überleben auch bei 5°C Körpertemperatur. Aber wenn eine Libelle zu kalt ist, kann sie nicht mehr fliegen. Ist sie in Gefahr, hat sie nur eine Chance - sie muss sich warmzittern um wegfliegen zu können. Genauer gesagt, muss sie ihre Flugmuskulatur aufwärmen.

Beim Warmzittern wird die Flügelmuskulatur sehr schnell bewegt. Es sieht dann von weiten so aus, als würde die Libelle mit den Flügel zittern. Oben ist eine Herbst-Mosaikjungfer zu sehen, die sich gerade warmzittert. Wenn man genau hinschaut, sieht man wie sich der Thorax bewegt - die Flügel vibrieren mit. Wenn die Libelle mit dem Warmzittern anfängt, will sie wegfliegen. Sind die Muskeln warm genug, beendet sie das Warmzittern und bleibt für knapp eine Sekunde ganz ruhig sitzen. Anschließend fliegt sie weg.

Wenn es viel zu kalt ist und die Libelle ihre Muskeln durch das Warmzittern nicht aufwärmen kann, beendet sie manchmal den Vorgang und wartet ein paar Minuten um es dann erneut zu versuchen. Meistens muss sich die Libelle aber nur einmal warmzittern.

Herbst-Mosaikjungfer nach dem Warmzittern beim Abflug - (Echtzeit)

 

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