Biosphärenreservat Schaalsee

Das Biosphärenreservat Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern wurde im Jahr 2000 von der UNESCO in die internationale Liste der Biosphärenreservate aufgenommen. Uns interessierten die 54 Libellenarten die man in diesem Reservat findet, speziell die Zierliche Moosjungfer. Zusammen mit Herrn Mathias Hippke vom Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee in Zarrentin machten wir am 7.Juni 2012 unsere erste Exkursion.
Das Wetter war kühl, aber nach kurzer Zeit brach die Sonne durch die fast geschlossene Wolkendecke. Die Hoffnung die Zierliche Moosjungfer zu sehen waren recht klein, denn sie fliegt meist nur bei guten Wetter in der Mitte ihres Sees. Dennoch flogen 2 Männchen der Zierlichen Moosjungfer an dem Gewässer – Fotos konnte ich leider nicht von ihnen machen.

Durch die vielen Habitate dicht am Schaalsee sieht man dort die verschiedensten Libellenarten an einem Gewässer, die sonst nur sehr selten zusammen zu sehen sind.

Grosses Granatauge

Großes Granatauge (Männchen)

Während das Große Granatauge dicht neben der Frühen Adonislibelle am Ufer für seine Arterhaltung sorgte, streiteten sich Vierfleck, Gemeine Falkenlibelle, Früher Schilfjäger und Keilfleck um das beste Revier. Im difusen Licht kamen die Farben besonders gut zur Geltung.

Paarung vom Großen Granatauge

Paarung vom Großen Granatauge

Für das Paarungsrad vom Schilfjäger schien die Sonne mal richtig und durch den aufkommenden Wind flogen die Beiden nicht gleich hoch in die Bäume, sondern hielten sich dicht über dem Boden auf.

Früher Schilfjäger (brachytron pratense)

Früher Schilfjäger (Brachytron pratense)

An einem anderen Gewässer fanden wir viele Plattbauch-Libellen beim Schlüpften. Viele von ihnen waren kurz vor dem Jungfernflug.

Plattbauch kurz nach dem Schlupf

Plattbauch kurz nach dem Schlupf

Oben sehen sie die Plattbauch (Libellula depressa) Weibchen kurz vor ihrem Jungfernflug. Unten ist ein junges Männchen in der Reifephase.

Plattbauch (Libellula depressa)

Plattbauch (Libellula depressa)

Aber der größte Teil flog gegen den Spitzenfleck (Libellula fulva) um ihr Revier zu verteidigen.

Spitzenfleck (Libellula fulva)

Paarung vom Spitzenfleck (Libellula fulva)

Das Wetter war leider sehr durchwachsen, deshalb mußte ich das untere Paarungsrad vom Spitzenfleck (Libellula fulva) mit Blitzlicht machen.

Paarungsrad vom Spitzenfleck (Libellula fulva)

Paarungsrad vom Spitzenfleck (Libellula fulva)

Auch wenn wir leider keine Fotos von der Zierlichen Moosjungfer machen konnten, so war dieser Ausflug doch eine sehr interessante Erfahrung.

Mathias vielen Dank für die Einladung!

Die Libellensaison hat begonnen!

Bis auf eine gemeine Winterlibelle habe ich 2012 bis mitte April keine anderen Libellen gesehen. Gestern schossen die Temperaturen auf gut über 24°C und man hatte heute am 1.Mai das Gefühl, als wollten alle Libellen gleichzeitig ihre neue Welt erstürmen.

Nur allein an unserem Gartenteich schlüpften schon über 20 frühe Adonislibellen. Überall hingen die frischgeschlüpften Libellen an den Gräsern. Hier einen Schlupf zu dokumentieren war ein Kinderspiel.

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) beim Schlupf

Am Dorfteich wimmelte es von der gemeinen Winterlibelle. Da waren Männchen die ihr Revier verteidigen, Tandems bei der Eiablage und sogar ein Paarungsrad konnten wir beobachten.

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) bei der Eiablage

Direkt daneben schlüpften noch ein paar Hufeisen-Azurjungfern, aber noch mehr flogen ihren ersten Flug – den Jungfernflug. An einer Teichseite haben wir an knapp 10 Meter Uferlänge die Exuvien von 8 gemeinen Smaragtlibellen gefunden. Vier Smaragdlibellen hingen noch an der Exuvie und waren ebenfalls kurz vor dem Jungfernflug. Teilweise waren die Exuvien vier Meter vom Wasser entfernt, überall war dichtes Gestrüb. Eine gemeine Smaragdlibelle hing aber recht gut, an ihr habe ich eine interessante Fototechnik gestestet — “Stacking”.

Um eine Smaragdlibelle komplett in den Schärfebereich zu bekommen, braucht man eine Blende 22 oder größer. Bei dieser kleinen Blende enstehen leider Beugungsunschärfen, die das Bild unscharf machen. Dazu kommt, das man oft nicht genug Licht hat, um mit so kleinen Blenden zu arbeiten.
Bei den meisten Objektiven liegt die optimale Blende zwischen 5,6 und 8. Bei diesen beiden Blenden werden die Fotos oft am schärfsten abgebildet, dort ist aber die Tiefenschärfe sehr klein. Die Lösung ist das sogenannte “Stacking”.

Die Smaragdlibelle auf dem Bild unten ist “gestackt”. Bei dieser Technik werden viele Fotos mit unterschiedlichen Schärfeebenen gemacht. In diesem Fall waren es 5 Fotos, die dann mit einem speziellen Programm (Helicon Focus) auf einem Computer zusammen gerechnet werden. Der Vorteil: egal mit welcher Blende man fotografiert, man kann selbst entscheiden, was im Bild scharf abgebildet werden soll und was nicht.

gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) beim Schlupf

Kurz danach habe ich mich noch mit einem Angler an der Aller unterhalten, da flog eine gemeine Keiljungfer auf meine Hand. Ich habe sie dann vorsichtig auf den Löwenzahn gesetzt.

gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) beim Jungfernflug

Den Nachmittag verbrachten wir in Neustadt a.R., dort gab es über 100 nordische Moosjungfern,

junges Männchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

Junges Weibchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

dazwischen flogen Adonislibellen, ein paar Vierfleck und eine Plattbauch. So viele Libellen auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) in der Reifezeit

Schöner hätte die Libellensaison 2012 nicht anfangen können!