Die Mond-Azurjungfer in Niedersachsen

An unseren Gewässern fliegen fast überall Azurjungfern, aber die Mond-Azurjungfer ist inzwischen sehr selten bei uns. Im Mai und im Juni fliegen sie an Moorseen mit einem Wollgras Bestand. Pfingsten 2012 haben wir eine Exkursion mit Elisabeth und Wolfgang Postler und dem Team Waldschrat gemacht, um diese wunderschöne Libelle an ihrem Habitat zu besuchen.

Moorsee im Gildehauser Venn

In Niedersachsen, dicht an der holländischen Grenze, begrüßten uns 3 von 5 Moosjungfern. Zuerst sahen wir die Nordische-Moosjungfer in relativ großer Anzahl am Moorsee fliegen, alle paar Minuten bildete sich ein neues Paarungsrad. Einige davon flogen direkt zu uns und setzten sich manchmal kurz auf unsere Ausrüstung oder auf unsere Schultern.

Paarungsrad der Nordischen Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

Der Gildehauser Venn ist ein Naturschutzgebiet mit sehr vielen kleinen Moorseen, einige davon liegen unmittelbar am Weg, so dass man dort die Libellen sehr gut beobachten kann.

Habitat der Mond-Azurjungfer

An dem zweiten See und auf dem Weg dorthin, fanden wir die Kleine Moosjungfer. Auch sie war mitten in der Paarungszeit und mit etwas Gedult konnte man sehr schöne Fotos von ihr machen.

Männchen der Kleinen Moosjungfer (Leucorrhinia dubia)

An allen Seen flog die Gemeine Becherjungfer in großer Zahl und in allen Entwicklungsstufen. Männchen, Weibchen und Paarungsräder kann man dort sehr gut beobachten.

Männchen der Gemeinen Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)

Man muß schon sehr genau hinsehen, wenn man die Mond-Azurjungfer zwischen all den Becherjungfern finden will. Zumal die Becherjungfer die Mond-Azurjungfer gerne verdrängt. Wir waren drei Tage dort, konnten aber leider kein Mond-Azurjungfer Weibchen ausmachen.

Männchen der Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum)

Sehr selten flog uns eine Große Moosjungfer über den Weg – leider konnte ich sie nicht zu einer kurzen Pause überreden.
Insgesamt war es für uns ein sehr interessanter Ausflug, die Moosjungfern und die Mond-Azurjungfer so nah zu sehen und zu beobachten war ein echtes Erlebnis.

Nordische Moosjungfern & Co

Der Mai geht langsam zuende und die Tage werden wärmer. Immer mehr Libellenarten sind nun zum Schlupf bereit. Im letzten Blog hatte ich schon die Nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda) vorgestellt. Am Wochenende waren wir wieder dort um die Moosjungfern nach ihrer Reifezeit zu besuchen.
Überall an den Gewässern sah man Paarungsräder und viele Männchen die ihr Revier verteidigten – herrlich anzuschauen :-)

Paarungsrad der Nordischen Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

Oft sitzen die Männchen auf dem Weg, dort lassen sie einen bis auf 2 Meter rankommen um dann drei Meter weiter zu fliegen, dass Spielchen scheinen sie zu lieben.
Es geht aber auch anders, man schaut sich ihr Treiben eine Zeit lang an und stellt sich dann dort hin, wo die meisten Moosjungfern waren. Dann wartet man…
Da alle Moosjungfern Ansitzjäger sind, kommt man so recht einfach zu guten Fotos  :-)

Männchen der Nordische Moosjungfer

Männchen der Nordische Moosjungfer

Zusammen mit den Nordischen Moosjungfer flogen sehr viele Frühe Adonislibellen und einige Vierfleck. Eine Adonislibelle setzte sich direkt auf den Stammplatz einer Nordischen Moosjungfer, das hat die Moosjungfer offensichtlich nicht gestört, als sie sich auf die Adonislibelle gesetzt hat. Wahrscheinlich hat sie die Adonislibelle gar nicht gesehen, denn nur wenige Sekunden später, flog die Nordische Moosjungfer wieder weg.

Nordische Moosjungfer auf einer Frühen Adonislibelle

Nordische Moosjungfer auf einer Frühen Adonislibelle

Die Adonislibellen waren fast überall, aber diese Beiden sahen einfach zu schön aus, das Bild muß ich hier zeigen…

Paarungsrad der Frühen Adonislibelle

Paarungsrad der Frühen Adonislibelle

Ich persönlich finde die Vierfleck nur in den ersten 2 bis 3 Wochen wirklich schön, wenn ihre Farben noch hell leuchten. Die Zeichnungen auf ihrem Körper sind dann noch Schwarz, die Augen sind wie Bernstein und der Rest leuchtet in einem tollen Gelb. Das Weibchen unten, hat sich nur für sie schön gemacht  :-)

Vierfleck-Weibchen

Vierfleck-Weibchen

Die Libellensaison hat begonnen!

Bis auf eine gemeine Winterlibelle habe ich 2012 bis mitte April keine anderen Libellen gesehen. Gestern schossen die Temperaturen auf gut über 24°C und man hatte heute am 1.Mai das Gefühl, als wollten alle Libellen gleichzeitig ihre neue Welt erstürmen.

Nur allein an unserem Gartenteich schlüpften schon über 20 frühe Adonislibellen. Überall hingen die frischgeschlüpften Libellen an den Gräsern. Hier einen Schlupf zu dokumentieren war ein Kinderspiel.

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) beim Schlupf

Am Dorfteich wimmelte es von der gemeinen Winterlibelle. Da waren Männchen die ihr Revier verteidigen, Tandems bei der Eiablage und sogar ein Paarungsrad konnten wir beobachten.

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) bei der Eiablage

Direkt daneben schlüpften noch ein paar Hufeisen-Azurjungfern, aber noch mehr flogen ihren ersten Flug – den Jungfernflug. An einer Teichseite haben wir an knapp 10 Meter Uferlänge die Exuvien von 8 gemeinen Smaragtlibellen gefunden. Vier Smaragdlibellen hingen noch an der Exuvie und waren ebenfalls kurz vor dem Jungfernflug. Teilweise waren die Exuvien vier Meter vom Wasser entfernt, überall war dichtes Gestrüb. Eine gemeine Smaragdlibelle hing aber recht gut, an ihr habe ich eine interessante Fototechnik gestestet — “Stacking”.

Um eine Smaragdlibelle komplett in den Schärfebereich zu bekommen, braucht man eine Blende 22 oder größer. Bei dieser kleinen Blende enstehen leider Beugungsunschärfen, die das Bild unscharf machen. Dazu kommt, das man oft nicht genug Licht hat, um mit so kleinen Blenden zu arbeiten.
Bei den meisten Objektiven liegt die optimale Blende zwischen 5,6 und 8. Bei diesen beiden Blenden werden die Fotos oft am schärfsten abgebildet, dort ist aber die Tiefenschärfe sehr klein. Die Lösung ist das sogenannte “Stacking”.

Die Smaragdlibelle auf dem Bild unten ist “gestackt”. Bei dieser Technik werden viele Fotos mit unterschiedlichen Schärfeebenen gemacht. In diesem Fall waren es 5 Fotos, die dann mit einem speziellen Programm (Helicon Focus) auf einem Computer zusammen gerechnet werden. Der Vorteil: egal mit welcher Blende man fotografiert, man kann selbst entscheiden, was im Bild scharf abgebildet werden soll und was nicht.

gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) beim Schlupf

Kurz danach habe ich mich noch mit einem Angler an der Aller unterhalten, da flog eine gemeine Keiljungfer auf meine Hand. Ich habe sie dann vorsichtig auf den Löwenzahn gesetzt.

gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) beim Jungfernflug

Den Nachmittag verbrachten wir in Neustadt a.R., dort gab es über 100 nordische Moosjungfern,

junges Männchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

Junges Weibchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

dazwischen flogen Adonislibellen, ein paar Vierfleck und eine Plattbauch. So viele Libellen auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) in der Reifezeit

Schöner hätte die Libellensaison 2012 nicht anfangen können!