braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis)

Die erste Septemberwoche 2011 war ich auf der Insel Rügen. In den letzten Wochen war das Wetter sehr unbeständig, der Himmel war meist zugezogen, nur selten war die Sonne länger als 30 min. am Stück zu sehen. Ich hatte gehofft, das ich auf Rügen mehr Glück mit dem Wetter habe.

Die ersten 3 Tage waren sehr sonnig, wir hatten um die 23°C und die braune Mosaikjungfer flog fast permanent. Fast 20 Stück habe ich gezählt, darunter waren mehr Weibchen als Männchen. Bei der Menge an Libellen war es nur eine Frage der Zeit bis sich eine zum Fotografieren hinsetzte.

Normalerweise sieht man mal ein bis zwei braune Mosaikjungfern an einem Gewässer. Sie zu fotografieren ist sehr schwer, da sie kein Ansitzjäger ist fliegt sie ständig umher. Immer auf der Suche nach Beute verteidigt sie ihr Revier gegen alle anderen Libellen. Dabei ist die Konkurenz in dieser Jahreszeit nicht mehr sehr groß, da ist die blaugrüne- und die Herbst-Mosaikjungfer und verschiedene Heidelibellen. Interessant war auch das Flugverhalten der braunen Mosaikjungfer, während sie normalerweise vorwiegend über dem Wasser fliegt, fliegt sie auf Rügen fast nur über die am Gewässer angrenzenden Wiesen. Trotz der großen Menge an Weibchen und Männchen der braunen Mosaikjungfer, konnte ich in 3 Tagen nur zwei Paarungsräder beobachten.

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Männchen der braunen Mosaikjungfer

Auf jedes Männchen kamen etwa 2 Weibchen. Man kann die Beiden recht gut auseinander halten, das Männchen hat eine ausgeprägte Taille die beim Weibchen nicht vorhanden ist.

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Weibchen der braunen Mosaikjungfer

Selbst im Flug lassen sich so die Beiden gut unterscheiden. Die braune Mosaikjungfer ist auch die einzige Libelle in dieser Größe die braune Flügel hat. Sie hebt sich damit deutlich von allen anderen Mosaikjungfern ab.

 

Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica) beim Schlupf

Jetzt am letzten Augustwochenende 2011, wollte ich gerne nochmal die Hochmoor-Mosaikjungfer beobachten. Ihre Flugzeit ist eigentlich von Juli bis September, aber durch den kalten Sommer hat mich interessiert, wie sich die Hochmoor-Mosaikjungfer dieses Jahr behaupten konnte.
Als ich am Moor ankam, war der Himmel fast komplett zugezogen. Nur alle 20-30 Minuten brach für einen kurzen Moment die Sonne durch. Mit 17°C war es eigentlich zu kalt und meine Hoffnungen waren dementsprechend klein etwas interessantes zu entdecken.

So gegen 13.oo Uhr ließ sich die Sonne für eine viertel Stunde am Stück blicken. Das reichte für die erste Hochmoor-Mosaikjungfer aus. Das Männchen flog einmal um das Moor, und Sekunden später flog ein Paarungsrad auf mich zu. Leider wurde der Wind in diesem Moment schwächer und das Paarungsrad verschwand hoch oben im Baum. Wäre der Wind etwas stärker gewesen, klickt sich das Paarungsrad in den unteren Bereich der Bäume, so das man es gut fotografieren kann.
Eine Stunde später bildete sich das zweite Paarungsrad und verschwand ebenfalls im Baum. Das Wetter wurde langsam schlechter, die Temperatur ging etwas runter und es sah sehr nach Regen aus. Gegen 14.3o Uhr sah ich eine frisch geschlüpfte Libelle.

Hochmoor-Mosaikjungfer
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Hochmoor-Mosaikjungfer

Kaum zu glauben, bei der Kälte und zu der Jahreszeit — mit einem Schlupf habe ich überhaupt nicht gerechnet. Im ersten Moment war für mich klar, das konnte nur eine Torf- oder eine blaugrüne Mosaikjungfer sein. Ich konnte aber nicht erkennen was es ist.
Die Libelle schlüpfte ca. 1,5 m vom Ufer entfernt. Man konnte deutlich sehen, wie ihr die Kälte zu schaffen machte, denn alles dauerte fast doppelt so lang wie normal. Eine halbe Stunde später wurde der Wind deutlich stärker und der Himmel war fast schwarz. Die Libelle konnte sich nur noch mit Mühe an der Exuvie festhalten und ich entschloss mich einzugreifen und hielt der ihr einen Stock vor die Nase, den sie dankbar annahm.

Direkt am Moor stehen kleine Kiefern, dort war sie recht gut geschützt. Etwa 80% der Libellen sterben beim Schlupf im Unwetter. Durch den Regen und den Wind werden sie ins Wasser gespült, dadurch vwerden die nicht ausgehärteten Flügel deformiert und sind dann für immer unbrauchbar. Es ist eine schwere Entscheidung, wartet man ab und riskiert das Leben der Libelle oder greift man in den natürlichen Verlauf ein.

In diesem Fall war ich ganz froh das alles so gut geklappt hat, gut 2 Stunden später war die Mosaikjungfer flugfähig.

Hochmoor-Mosaikjungfer
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Hochmoor-Mosaikjungfer-Männchen vor seinem Jungfernflug

Selbst der in der Zwischenzeit einsetzende Nieselregen konnte ihr nun nichts mehr anhaben. Durch die Kälte blieb die Mosaikjungfer auch mit ausgehärteten Flügeln noch eine Weile sitzen, so daß man schon die ersten Farben erkennen konnte.

Übrigens ist die Hochmoor-Mosaikjungfer erst 1927 als eigene Art anerkannt worden, vorher glaubte man, das sie eine Farbvariante der Torf-Mosaikjungfer ist. In der Tat kann man die beiden Libellen, die sich den gleichen Lebensraum teilen und fast das selbe Muster haben sehr leicht verwechseln. Aber es gibt wenige sichere Unterscheidungsmerkmale, bei den Weibchen der Hochmoor-Mosaikjungfer verlaufen die Hinterleibsanhänge parallel zueinander, während die Anhänge der Torf-Mosaikjungfer-Weibchen im rechten Winkel zueinander stehen. Die Männchen der Torf-Mosaikjungfer haben einen Strich vorne mitten auf der Nase der sich nach beiden Seiten verjüngt, bei der Hochmoor-Mosaikjungfer ist dieser Strich ganz außen etwas breiter. Zusätzlich hat die Hochmoor-Mosaikjungfer einen Fleck am Torax, den es bei der Torf-Mosaikjungfer nicht gibt. Bei dieser frisch geschlüpften Hochmoor-Mosaikjungfer kann man den Fleck deutlich sehen. Deshalb kann ich mit Sicherheit sagen, das dies eine Hochmoor-Mosaikjungfer ist.

Eine zweite Larve die gegen 17.oo Uhr das Wasser zum schlüpfen verlassen hat, habe ich 2 Stunden beobachtet, sie ist bis 19.oo Uhr nicht geschlüpft. Ich habe dann die Beobachtungen abgebrochen, weil wieder der Regen kam. Das eine Larve in dieser Situation nicht schlüpft habe ich bisher nicht erlebt und auch noch nie etwas in der Art gelesen.

Mein neues Projekt ist die braune Mosaikjungfer auf Rügen, ich werde berichten  🙂

 

westliche Geisterlibelle (Boyeria irene)

2008 wurden die erste westliche Geisterlibelle in der Nähe von Celle (Niedersachsen) gesichtet, letztes Jahr hatte ich leider kein Glück, dieses Jahr hatte ich 2 weitere Libellen-Experten an meiner Seite. Zu dritt wollten wir wenigstens mal eine Geisterlibelle fliegen sehen.

Die westliche Geisterlibelle kam erst am frühen Nachmittag, trotz schönen Wetters war sie vorher für uns unauffindbar. Ab 14.oo Uhr kam eine nach der anderen. Bis 16.oo Uhr hatten wir 4-6 Geisterlibellen um uns herum.

Habitat der Geisterlibelle
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Habitat der Geisterlibelle

Die Geisterlibelle läßt sich im Flug fast nicht fotografieren. Zwar kommt sie sehr dicht ans Ufer, aber der Zik-Zak-Flug ist nur schön zum Beobachten der Tiere. Selten fliegt sie auf die angrenzende Wiese und verschwindet dort aber spurlos in der Grasnarbe.
Nur ein Männchen hat sich bei uns auf die Brombeerbüsche am Ufer gesetzt. Bei langsamer Annäherung kommt man sehr dicht an die Geisterlibelle heran. Viel dichter als ich es je zu hoffen gewagt hätte.

Männchen der westlichen Geisterlibelle
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Männchen der westlichen Geisterlibelle

Es sind wunderschöne Tiere, in einem schönen naturbelassenen Lebensraum. Zu sehen wie sie jagen und nach Weibchen suchen ist wirklich interessant.

In den nächsten Tagen, will ich mir noch andere Stellen ansehen und hoffe dort auch ein Paarungsrad zu sehen. Ich werde berichten  🙂