Die Libellensaison hat begonnen!

Bis auf eine gemeine Winterlibelle habe ich 2012 bis mitte April keine anderen Libellen gesehen. Gestern schossen die Temperaturen auf gut über 24°C und man hatte heute am 1.Mai das Gefühl, als wollten alle Libellen gleichzeitig ihre neue Welt erstürmen.

Nur allein an unserem Gartenteich schlüpften schon über 20 frühe Adonislibellen. Überall hingen die frischgeschlüpften Libellen an den Gräsern. Hier einen Schlupf zu dokumentieren war ein Kinderspiel.

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) beim Schlupf

Am Dorfteich wimmelte es von der gemeinen Winterlibelle. Da waren Männchen die ihr Revier verteidigen, Tandems bei der Eiablage und sogar ein Paarungsrad konnten wir beobachten.

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)

gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) bei der Eiablage

Direkt daneben schlüpften noch ein paar Hufeisen-Azurjungfern, aber noch mehr flogen ihren ersten Flug – den Jungfernflug. An einer Teichseite haben wir an knapp 10 Meter Uferlänge die Exuvien von 8 gemeinen Smaragtlibellen gefunden. Vier Smaragdlibellen hingen noch an der Exuvie und waren ebenfalls kurz vor dem Jungfernflug. Teilweise waren die Exuvien vier Meter vom Wasser entfernt, überall war dichtes Gestrüb. Eine gemeine Smaragdlibelle hing aber recht gut, an ihr habe ich eine interessante Fototechnik gestestet — “Stacking”.

Um eine Smaragdlibelle komplett in den Schärfebereich zu bekommen, braucht man eine Blende 22 oder größer. Bei dieser kleinen Blende enstehen leider Beugungsunschärfen, die das Bild unscharf machen. Dazu kommt, das man oft nicht genug Licht hat, um mit so kleinen Blenden zu arbeiten.
Bei den meisten Objektiven liegt die optimale Blende zwischen 5,6 und 8. Bei diesen beiden Blenden werden die Fotos oft am schärfsten abgebildet, dort ist aber die Tiefenschärfe sehr klein. Die Lösung ist das sogenannte “Stacking”.

Die Smaragdlibelle auf dem Bild unten ist “gestackt”. Bei dieser Technik werden viele Fotos mit unterschiedlichen Schärfeebenen gemacht. In diesem Fall waren es 5 Fotos, die dann mit einem speziellen Programm (Helicon Focus) auf einem Computer zusammen gerechnet werden. Der Vorteil: egal mit welcher Blende man fotografiert, man kann selbst entscheiden, was im Bild scharf abgebildet werden soll und was nicht.

gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) beim Schlupf

Kurz danach habe ich mich noch mit einem Angler an der Aller unterhalten, da flog eine gemeine Keiljungfer auf meine Hand. Ich habe sie dann vorsichtig auf den Löwenzahn gesetzt.

gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) beim Jungfernflug

Den Nachmittag verbrachten wir in Neustadt a.R., dort gab es über 100 nordische Moosjungfern,

junges Männchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

Junges Weibchen der nordische Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda)

dazwischen flogen Adonislibellen, ein paar Vierfleck und eine Plattbauch. So viele Libellen auf einmal habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) in der Reifezeit

Schöner hätte die Libellensaison 2012 nicht anfangen können!

gemeine Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Mit diesem Artikel möchte ich allen Lesern ein guten Start ins neue Jahr 2012 wünschen.

Trotz der hohen Temperaturen von 5° bis 10° fliegen im Dezember (2011) nur noch zwei Libellenarten in Deutschland, eine der beiden Winterlibellen möchte ich hier einmal vorstellen.

Die gemeine Winterlibelle (Sympecma Fusca) wird oft übersehen, das liegt zum einen daran, das man sie schnell mit einem Azurjungfer-Weibchen verwechseln kann. Zum anderen ist es sehr schwer sie überhaupt zu finden, da sie nur für kurze Zeit nach dem Schlupf an ihrem Gewässer bleiben. In ihrer Reifezeit sind sie zwar in der näheren Umgebung des Gewässer, aber sie sitzen oft auf braunen Ästen und sind durch ihre Farbe dann fast nicht mehr zu sehen. Dazu kommt, das sich die gemeine Winterlibelle auf die Rückseite des Astes dreht, wenn sich ihr jemand nähert.

Gemeine Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Männchen der Gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Im Gegensatz zum Weibchen, sind die Anhänge beim Männchen wie eine Zange geformt.

Gemeine Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Männchen der gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Weibchen der gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Weibchen der gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Beim Weibchen kann man von der Seite deutlich den Eilegestachel sehen.

Weibchen der gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Weibchen der gemeinen Winterlibelle (Sympecma Fusca)

Sie schlüpfen früh morgens ab Ende Juli bis Mitte August. Nach ihrer Reifezeit fliegen sie oft viele Kilometer weit von ihrem Gewässer weg. Über ihr Überwinterungs-Habitat weiß man nicht viel. Sie bevorzugen windgeschützte Stellen an Waldrändern oder Hecken.

Leider habe ich im Winter noch keine Winterlibellen beobachten können, wenn sie diese Libelle im Winter finden, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen.