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Zweifleck beim Schlupf

Mitte Mai 2015 waren Barbara und ich zusammen mit Elisabeth und Wolfgang Postler in der Uckermark in Brandenburg um dort den Zweifleck beim Schlupf zu fotografieren.

Zweifleck Männchen
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Zweifleck Männchen

Wie alle Falkenlibellen ist auch der Zweifleck sehr flugaktiv, seine bevorzugte Flughöhe beträgt 5 bis 15 Meter. Das scheue Tier sitzt gerne in den gewässernahen Baumkronen und ist deshalb nur schwer nachzuweisen. Die Weibchen kann man mit etwas Glück bei der Eiablage beobachten, die Männchen sieht man nur selten mitten über dem See fliegen. Aus den genannten Gründen, findet man im Internet fast keine Fotos von adulten Zweiflecklibellen. Die meisten Aufnahmen wurden beim oder unmittelbar nach dem Schlupf gemacht. Wenn es tagsüber kalt und regnerisch ist, kann man Glück haben das der frisch geschlüpfte Zweifleck bis zum nächsten Tag an seinem Schlupfplatz sitzen bleibt. Der Körper ist dann fast ausgefärbt, nur die braunen Augen verraten den Libellenkenner, das dass Tier erst wenige Tage alt ist.

Das Zweifleck-Habitat

Das von uns ausgesuchte Gewässer liegt mitten in einem alten Buchenwald. Durch die hohen Bäume wird es relativ stark abgeschattet. 2 bis 4 Meter vom Ufer entfernt, an der Längsseite des Sees, verläuft eine Landstraße. Gegenüber auf der anderen Straßenseite, an der Stirnseite des Sees, gibt es einen kleinen Parkplatz an dem die Sonne ungehindert bis auf dem Boden scheinen kann.

Zweifleck Habitat
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Zweifleck Habitat

Der Parkplatz ist damit ein optimales Revier für Libellen in der Reifezeit. Es gibt dort reichlich Nahrung (Solitärbienen, Mücken und Fliegen) und sonnige Sitzplätze um Wärme zu tanken. Man hat das Gefühl, das sich dort alle jungen Libellen der Umgebung versammeln. Leider haben wir dort nur wenige ausgefärbte Libellen gesehen. Bei 12° C reicht eine einzelne Wolke die sich vor die Sonne schiebt aus, dass die Libellen ihren Jagdflug unterbrechen und sich hinsetzen. Teilweise saßen die Libellen so dich nebeneinander, dass man nur staunen konnte.

7 Falkenlibellen
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7 Falkenlibellen

Da immer nur eine Seite des Parkplatzes von der Sonne beschienen wurde, waren gute Sitzplätze sehr begehrt. Am skurrilsten fand ich einen Vierfleck, der sich dreist unter einem jungen Zweifleck geschoben hat um einen besseren Platz zu ergattern.

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)
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Zweifleck (o) und Vierfleck (u)

Der Vierfleck ist einfach sturr nach oben marschiert  🙂

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)
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Zweifleck (o) und Vierfleck (u)

Das Verhalten der Zweifleck-Larven

Zweiflecklarven sind dafür bekannt, dass sie weit abseits der Gewässer schlüpfen. Teilweise laufen die Larven 2 Tage durch den Wald und entfernen sich dabei bis zu 150 Meter von ihrem Gewässer. An diesem Gewässer mussten die Larven die Landstraße überqueren um in dem angrenzenden Wald schlüpfen zu können.

Zweifleck Larve
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Zweifleck Larve

In den vier Tagen, die wir dort waren, haben wir zahlreiche Larven auf der Straße gesehen. Pro Tag haben wir ca. 5 bis 10 lebende Larven auf der Straße gefunden, 3 bis 4 Larven wurden jeden Tag überfahren. Natürlich haben wir alle Larven über die Straße getragen, wo sie dann ihren Weg in den Wald sicher fortsetzten konnten. 2 Larven haben wir auf den Parkplatz gebracht und sie dort an die Vegetation gesetzt. Unser Ziel war es, möglichst viele Zweiflecklarven vor den Autos zu schützen, ihr Schlupfverhalten zu beobachten und ein paar Fotos vom Schlupf zu machen.

Die vier Tage auf dem Parkplatz waren für uns sehr interessant, da wir die Larven von der Auswahl des Schlupfplatzes bis zum Jungfernflug beobachten konnten.

Die beiden Larven sind in aller Ruhe auf den Farnblättern rauf und runter gegangen. Interessant fand ich, dass sie sich die Blätter auf beiden Seiten angesehen haben. Oft sind sie sogar mehrmals am selben Blatt rauf und runter gekrabbelt. Mehrfach hatten wir das Gefühl das nun der Schlupf beginnt, aber nach einer 10 bis 20 minütigen Pause, krabbelten die Larven weiter auf dem Farn herum.

Zweifleck Weibchen beim Schlupf
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Zweifleck Weibchen beim Schlupf

Ein paar mal haben wir eine Larve aus den Augen verloren und schon gedacht dass sie in den Wald gekrabbelt ist – dort hätten wir sie nie wieder gefunden. Wenn sich die Larven am Boden auf dem trockenen Laub nicht bewegten, konnten man sie fast nicht mehr sehen. Die Tarnung der Larven ist nahezu perfekt! Die Larven tauchten aber immer wieder dicht neben der Stelle auf, wo wir sie das letzte mal gesehen haben.

Am ersten Tag wurde es nicht wärmer als 13° C, der Himmel war sehr dunkel und wir haben ständig mit Regen gerechnet. Offenbar hatten unsere drei Larven den gleichen Gedanken, keiner von den drei Larven schlüpfte an diesem Tag. Normalerweise schlüpfen Libellenlarven kurz nachdem sie ihr Gewässer verlassen, weil die Haut sonst trocknet und die Libelle dann nicht mehr aus ihrer harten trockenen Haut schlüpfen kann. Libellenlarven die nicht rechtzeitig aus ihrer Larvenhaut schlüpfen, enden als Schlupfunfall. Meist bleibt der Kopf oder die Beine in der alten Haut hängen, das endet für die Larve in jedem Fall tödlich. Die Zweiflecklarve kann ihren Schlupf um mehrere Tage hinaus zögern. Bis zu 2 Tagen kann sie an Land bleiben und zur Not auch wieder ins Wasser gehen.

Unsere Larven waren ca. 12m vom Ufer entfernt, hatten aber bis 17.00 Uhr keinerlei Interesse Richtung Wasser zu gehen. Ab 15.30 Uhr blieben sie regungslos an ihren Pflanzen sitzen, bis kurz nach 17.00 Uhr waren wir bei ihnen um sie zu beobachten.

Der Schlupf

Am nächsten Morgen waren wir gegen 9.20 Uhr wieder auf dem Parkplatz. Zuerst schauten wir natürlich nach den beiden Larven, eine Larve saß unverändert da, die andere saß etwas tiefer im Farn als am Vorabend. Gegen 10.00 Uhr brach die Wolkendecke auf und die Sonne kam durch. Es wurde zwar nicht wirklich warm, aber in der Sonne waren es immerhin 18° C. Wir haben beide Larven aus dem Schatten in die Sonne umgesetzt, eine Stunde später schlüpften sie.

Schlupf Zweifleck Weibchen
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Schlupf Zweifleck Weibchen

Unsere Larven waren auch nach 24 Stunden an Land, nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Ihr Verhalten war so wie am Vortag. Das zu erleben, war für uns super spannend  🙂

 

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