Westliche Geisterlibelle 2012

Im August 2012 waren wir wieder an der Örtze und haben dort die Westliche Geisterlibelle kurz bei der Eiablage beobachten können. Die Weibchen sind auf den ersten Blick, vom Flugverhalten her, den Männchen der Westlichen Geisterlibelle (Boyeria irene) sehr ähnlich. Beide Geschlechter halten sich eher selten in der Flussmitte auf, sie fliegen meist dicht über der Wasseroberfläche an der Uferböschung entlang. Die Weibchen suchen dort offenbar geeignete Stellen zur Eiablage und die Männchen suchen die Weibchen (siehe unten).

Männchen der Westlichen Geisterlibelle bei der Suche nach einem Weibchen

Männchen der Westlichen Geisterlibelle auf der Suche nach einem Weibchen

Die Westliche Geisterlibelle (Boyeria irene) fliegt sehr ungleichmäßig, was das fotografieren erschwert, aber nicht unmöglich macht  :-)

Männchen der Westlichen Geisterlibelle bei der Suche nach einem Weibchen

Männchen der Westlichen Geisterlibelle auf der Suche nach einem Weibchen

Man kann die Westliche Geisterlibelle recht leicht von anderen Libellen unterscheiden. In ihrem Habitat fliegt noch die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii), die Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) und ganz selten kommt die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) vorbei.

Männchen der Westlichen Geisterlibelle im Flug

Männchen der Westlichen Geisterlibelle im Flug

Deutlich kleiner als die Westliche Geisterlibelle ist die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), sie fliegt gerne in der Flussmitte. In der prallen Sonne sieht sie fast so blass aus, wie die Westliche Geisterlibelle. Am Hinterleibsende hat sie aber eine Keulenförmige Verdickung, die die Westliche Geisterlibelle nicht hat.

Die beiden Mosaikjungfern haben viel kräftigere Farben als die Westliche Geisterlibelle (Boyeria irene), sie fliegen viel höher und auch eher in der Flussmitte wie die Grüne Flussjungfer.

Im Flug ist ihr noch die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) am ähnlichsten. Aber durch ihren schwarzen Hinterleib und die gelben Streifen, kann man die etwas größere Quelljungfer doch von der Westlichen Geisterlibelle unterscheiden.

Libellen im Münsterland

Mitte August 2012 haben wir die Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio) im Münsterland besucht, sie lebt dort an einem Karpfenteich mit über 3000 Sumpf-Heidelibellen (Sympetrum depressiusculum) zusammen.

Das Team “Waldschrat-online.de” hatte uns zu dieser Exkursion eingeladen – nochmals vielen Dank Heide und Willi, es war toll! Schon die Ankunft war ein Erlebnis, denn überall saßen Sumpf-Heidelibellen. Früh morgens war es noch angenehm kühl und fast alle Sumpf-Heidelibellen saßen keine 5 m weit vom Ufer entfernt. Zwischen den vielen Männchen und Weibchen, fanden wir auch einige Tandems. Sie hatten offentsichtlich die Nacht zusammen verbracht, denn sie waren noch zu kalt um zu fliegen.

Tandem der Sumpf-Heidelibelle

Tandem der Sumpf-Heidelibelle

Mittags wurde es deutlich wärmer und wir waren noch keine 30 m weit gekommen. Um uns herum saßen so viele Sumpf-Heidelibellen, das wir uns fast nicht entscheiden konnten, welche Libellen wir zuerst fotografieren sollten. Durch die Hitze wurden die Libellen deutlich lebhafter. Jetzt konnten wir auch die ersten Paarungen sehen. Die Tandems, bildeten nun Paarungsräder und flogen zum Gewässer. Leider setzten sich die meisten Paarungsräder zu weit vom Weg entfernt in die Vegetation, so das wir sie nur beobachten konnten, aber ein paar Paarungsräder konnte man dann doch fotografieren.

Paarungsrad der Sumpf-Heidelibelle

Paarungsrad der Sumpf-Heidelibelle

Zum Nachmittag wurde es kühler und so waren die Paarungsräder schnell wieder verschwunden. Jetzt hatten wir mehr Zeit für die Kleine Pechlibelle. Leider fanden wir nur 3 Weibchen und 2 Männchen, aber die waren dafür einfach nur schön. Alle Weibchen waren noch orange.

Weibchen der Kleinen Pechlibelle

Weibchen der Kleinen Pechlibelle

In den ersten Tagen nach dem Schlupf, so steht es in allen Büchern, ist das Weibchen der Kleinen Pechlibelle orange. Man nennt sie deshalb die “Goldene” und tatsächlich schimmert sie fast golden in der Sonne.

Weibchen der Kleinen Pechlibelle

Weibchen der Kleinen Pechlibelle

Bevor ihre Reifezeit beendet ist, ändern die Weibchen ihre Farbe und werden grün oder blau. Ich habe davon Bilder in meinem Artikel über die Kleine Pechlibelle.
Ich fand es schon ungewöhnlich, das die Kleine Pechlibelle an diesem Habitat lebt. Sie muß sich dort gegen Herbst-Mosaikjungfern, weit über 3000 Sumpf-Heidelibellen, viele Binsenjungfern, frisch geschlüpften Winterlibellen und anderen Libellen behaupten.
Wirklich überrascht hat uns aber dieses Paarungsrad:

Paarungsrad der Kleinen Pechlibelle

Paarungsrad der Kleinen Pechlibelle

Laut Literatur hätte ich dieses Foto gar nicht machen können, weil die “Goldene” noch nicht geschlechtsreif ist. Das Paarungsrad konnten wir in Ruhe fotografieren, denn es ließ sich durch nichts stören. Über eine Stunde haben wir es beobachtet und immer mal wieder fotografiert bevor wir gegangen sind.

Das war ein toller Tag, wir haben viele interessante Sachen gesehen und jede Menge dazu gelernt.

Viele Grüße an Heide und Willi, Inge und Werner, Elisabeth und Wolfgang und an Ruth

Schlupf der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia)

Anfang August (2012) waren wir wieder auf der Suche nach der Westlichen Geisterlibelle (Boyeria irene), der Himmel war fast komplett Wolken verhangen aber der leichte Regen endete gegen 12.00 Uhr und mit knapp 25°C hatten wir nun eine gute Chance die Westliche Geisterlibelle zu sehen. Letztes Jahr hatten wir nach mehreren Anläufen Glück und bekamen 2 Männchen vor die Linse. Dieses mal konnten wir sie nur im Flug beobachten. Die Männchen kämpften um ihr Revier, das hatten wir vorher noch nicht beobachten können.

In den Artenprofilen finden sie die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), wir hatten diese Art bisher noch nicht beim Schlupf beobachtet. Umso interessanter, das wir das jetzt in dem Habitat der Westlichen Geisterlibelle nachholen konnten.
Die Grüne Flussjungfer schlüpft nur knapp über dem Wasserspiegel, da sie in einem Fluss lebt, muß sie beim schlüpfen immer mit Wellen rechnen. Erfasst sie eine Welle, wenn die Flügel noch nicht ausgehärtet sind, können die Flügel dadurch miteinander verkleben. Die Libelle wäre dann flugunfähig. Die Grüne Flussjungfer hat da eine interessante Lösung gefunden…

Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) beim Schlupf

Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) beim Schlupf

Wie man auf dem Bild gut erkennen kann, ist der innere Teil der Flügel schon ausgehärtet, während sie die Flügelenden noch nicht entfaltet hat. Unten sehen sie das Männchen wenige Sekunden vor ihrem ersten Flug.

Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) beim Schlupf

Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) beim Schlupf

Ein paar Meter weiter saß ein weiteres ausgefärbtes Männchen der Grünen Flussjungfer im Gras.

Männchen der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia)

Männchen der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia)

 

Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Die meisten Libellen leben an Teichen, Seen oder Flüssen – Gewässer, die man fast nicht übersehen kann. Ein paar Libellen bevorzugen aber ein Leben ohne Konkurenz, an Habitaten, die man suchen muss, weil sie so unscheinbar sind. Spontan fallen mir da 4 Arten ein, die kein für Libellen typisches Habitat bewohnen.
Bei den Großlibellen fällt mir da die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) ein, über die ich auch schon hier im Blog berichtet habe. Sie lebt an winzig kleinen Wasserlöchern auf Schwingrasen.
Bei den Kleinlibellen sind es die Zwerglibelle,die an kleinen Moorgräben lebt und die Vogel- und Helm-Azurjungfer, die an fast zugewachsenen Gräben leben. Diese Gräben dienen den Landwirten der Entwässerung ihrer Felder. Bei dem starken Bewuchs sieht man auf den ersten Blick kein Wasser im Graben, aber es ist Wasser vorhanden.

In diesem Blog-Artikel will ich die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) vorstellen, sie gehört zu den Libellen in Europa, mit dem höchsten Schutzstatus – sie ist eine FFh-Art (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie).

Männchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Männchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

So unscheinbar wie ihr Habitat ist, so unauffällig ist die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale). Ende Juni waren wir mit Herrn Dietrich Kern in Niedersachsen unterwegs. Er ist der Autor des Libellen-Buches “Fliegende Edelsteine” (ISBN 978-3-9812556-3-8) – das schönste Libellenbuch was ich kenne. Herr Kern hat uns einen tiefen zugewachsenen Graben gezeigt, an dem wir schon nach kurzer Suche fündig wurden.

Männchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Männchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Der Himmel war fast komplett bedeckt, es war sehr windig und mit 15°C war es viel zu kalt für ende Juni. Im Gras saßen die Männchen und klammerten sich fest an ihren Grashalm. Zuerst sahen wir nur zwei Männchen, aber ab Mittag wurden es mehr. Da die Helm-Azurjungfer-Männchen bei starken Wind nicht gut fliegen können, nutzte ich die Gelegenheit und machte ein paar Bilder. Dabei fiel mir auf, wie variabel die Zeichnung auf dem zweiten Hinterleibssegment ist. Ich habe bestimmt vier verschiedene Zeichnungen an diesem Tag dokumentiert.

Weibchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Weibchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Die Weibchen der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) lassen sich erst am frühen Nachmittag blicken. Dann entstehen recht schnell Paarungsräder, die Paarung findet an der Böschung des Grabens statt. Bei der Eiablage bleiben beide zusammen, oft taucht das Weibchen unter Wasser um ihre Eier in den Wasserpflanzen ab zu legen. Die Männchen tauchen dabei nicht komplett unter Wasser.
Leider konnten wir, bedingt durch das schlechte Wetter, keine Paarung oder Eiablagen beobachten. Dennoch war es für uns eine sehr interessante Erfahrung, Libellen in dieser Umgebung zu sehen.

Herr Kern vielen Dank für ihre Hilfe.

Gabel-Azurjungfer und Zierliche Moosjungfer in Köln

Das Team Waldschrat-online.de (Dipl. – Ing. Heide Gospodinova und H. – Willi Wünsch) hat uns Anfang 2012 zu einer Exkursion in die Kölner Umgebung eingeladen. Am 10. Juni ging es los und trotz des schlechten Wetters hatten wir zusammen eine Woche Spaß.
Zuerst suchten wir die Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum) bei leichtem Nieselregen an einem kleinen Teich auf einer Wiese abseits von Köln – mit Erfolg!

Männchen der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Männchen der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Durch das kühle regnerische Wetter saßen die Gabel-Azurjungfern wie festgeklebt an ihren Grashalmen. Die Männchen rührten sich nicht, auch wenn man ihnen sehr nahe kam. Wenn die Sonne rauskam, konnte man sogar Tandems von der Gabel-Azurjungfer sehen.

Tandem der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Tandem der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Die Weibchen ließen sich aber leider nur selten blicken, dabei sehen sie so hübsch aus.

Weibchen der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Weibchen der Gabel-Azurjungfer (Coenagrion scitulum)

Die Ville ist ein Höhenzug in Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es einen ehemaligen Tagebau der vor vielen Jahren renaturiert wurde. Ein Teich war für uns besonders interessant, er hat einen langen Steg auf dem man dicht an die Schwimmblattvegetation kommt und genau dort flog die seltene Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis). Also eigentlich ideale Bedingungen um diese Art zu fotografieren…
Die Zierliche Moosjungfer sieht der Östlichen Moosjungfer sehr ähnlich, aber man kann sie an ihren weißen Flügelmalen dennoch gut unterscheiden. Interessant ist, das die Flügelmale oben weiß und unten schwarz sind. An den Foto unten können sie das gut sehen.

Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) Paarung

Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) Paarung

Leider ist die Zierliche Moosjungfer sehr scheu, näher als 4 bis 5 Meter kam ich nicht an sie ran. Das Paarungsrad war der krönende Abschluß in der Ville. Das Männchen fliegt das Weibchen an, packt es und fliegt mit ihr auf “sein” Seerosenblatt. Die Paarung selber dauert nur wenige Minuten. Danach legt sie in der Nähe ihre Eier ab, er bleibt in dieser Zeit bei ihr.

Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) Männchen

Zierliche Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis) Männchen

Bitte lesen sie auch über die Exkursion für den Kleinen Blaupfeil und die Scharlachlibelle in der Wahner Heide.