Zweifleck beim Schlupf

Mitte Mai 2015 waren Barbara und ich zusammen mit Elisabeth und Wolfgang Postler in der Uckermark in Brandenburg um dort den Zweifleck beim Schlupf zu fotografieren.

Zweifleck Männchen
image-734

Zweifleck Männchen

Wie alle Falkenlibellen ist auch der Zweifleck sehr flugaktiv, seine bevorzugte Flughöhe beträgt 5 bis 15 Meter. Das scheue Tier sitzt gerne in den gewässernahen Baumkronen und ist deshalb nur schwer nachzuweisen. Die Weibchen kann man mit etwas Glück bei der Eiablage beobachten, die Männchen sieht man nur selten mitten über dem See fliegen. Aus den genannten Gründen, findet man im Internet fast keine Fotos von adulten Zweiflecklibellen. Die meisten Aufnahmen wurden beim oder unmittelbar nach dem Schlupf gemacht. Wenn es tagsüber kalt und regnerisch ist, kann man Glück haben das der frisch geschlüpfte Zweifleck bis zum nächsten Tag an seinem Schlupfplatz sitzen bleibt. Der Körper ist dann fast ausgefärbt, nur die braunen Augen verraten den Libellenkenner, das dass Tier erst wenige Tage alt ist.

Das Zweifleck-Habitat

Das von uns ausgesuchte Gewässer liegt mitten in einem alten Buchenwald. Durch die hohen Bäume wird es relativ stark abgeschattet. 2 bis 4 Meter vom Ufer entfernt, an der Längsseite des Sees, verläuft eine Landstraße. Gegenüber auf der anderen Straßenseite, an der Stirnseite des Sees, gibt es einen kleinen Parkplatz an dem die Sonne ungehindert bis auf dem Boden scheinen kann.

Zweifleck Habitat
image-735

Zweifleck Habitat

Der Parkplatz ist damit ein optimales Revier für Libellen in der Reifezeit. Es gibt dort reichlich Nahrung (Solitärbienen, Mücken und Fliegen) und sonnige Sitzplätze um Wärme zu tanken. Man hat das Gefühl, das sich dort alle jungen Libellen der Umgebung versammeln. Leider haben wir dort nur wenige ausgefärbte Libellen gesehen. Bei 12° C reicht eine einzelne Wolke die sich vor die Sonne schiebt aus, dass die Libellen ihren Jagdflug unterbrechen und sich hinsetzen. Teilweise saßen die Libellen so dich nebeneinander, dass man nur staunen konnte.

7 Falkenlibellen
image-736

7 Falkenlibellen

Da immer nur eine Seite des Parkplatzes von der Sonne beschienen wurde, waren gute Sitzplätze sehr begehrt. Am skurrilsten fand ich einen Vierfleck, der sich dreist unter einem jungen Zweifleck geschoben hat um einen besseren Platz zu ergattern.

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)
image-737

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)

Der Vierfleck ist einfach sturr nach oben marschiert  🙂

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)
image-738

Zweifleck (o) und Vierfleck (u)

Das Verhalten der Zweifleck-Larven

Zweiflecklarven sind dafür bekannt, dass sie weit abseits der Gewässer schlüpfen. Teilweise laufen die Larven 2 Tage durch den Wald und entfernen sich dabei bis zu 150 Meter von ihrem Gewässer. An diesem Gewässer mussten die Larven die Landstraße überqueren um in dem angrenzenden Wald schlüpfen zu können.

Zweifleck Larve
image-739

Zweifleck Larve

In den vier Tagen, die wir dort waren, haben wir zahlreiche Larven auf der Straße gesehen. Pro Tag haben wir ca. 5 bis 10 lebende Larven auf der Straße gefunden, 3 bis 4 Larven wurden jeden Tag überfahren. Natürlich haben wir alle Larven über die Straße getragen, wo sie dann ihren Weg in den Wald sicher fortsetzten konnten. 2 Larven haben wir auf den Parkplatz gebracht und sie dort an die Vegetation gesetzt. Unser Ziel war es, möglichst viele Zweiflecklarven vor den Autos zu schützen, ihr Schlupfverhalten zu beobachten und ein paar Fotos vom Schlupf zu machen.

Die vier Tage auf dem Parkplatz waren für uns sehr interessant, da wir die Larven von der Auswahl des Schlupfplatzes bis zum Jungfernflug beobachten konnten.

Die beiden Larven sind in aller Ruhe auf den Farnblättern rauf und runter gegangen. Interessant fand ich, dass sie sich die Blätter auf beiden Seiten angesehen haben. Oft sind sie sogar mehrmals am selben Blatt rauf und runter gekrabbelt. Mehrfach hatten wir das Gefühl das nun der Schlupf beginnt, aber nach einer 10 bis 20 minütigen Pause, krabbelten die Larven weiter auf dem Farn herum.

Zweifleck Weibchen beim Schlupf
image-740

Zweifleck Weibchen beim Schlupf

Ein paar mal haben wir eine Larve aus den Augen verloren und schon gedacht dass sie in den Wald gekrabbelt ist – dort hätten wir sie nie wieder gefunden. Wenn sich die Larven am Boden auf dem trockenen Laub nicht bewegten, konnten man sie fast nicht mehr sehen. Die Tarnung der Larven ist nahezu perfekt! Die Larven tauchten aber immer wieder dicht neben der Stelle auf, wo wir sie das letzte mal gesehen haben.

Am ersten Tag wurde es nicht wärmer als 13° C, der Himmel war sehr dunkel und wir haben ständig mit Regen gerechnet. Offenbar hatten unsere drei Larven den gleichen Gedanken, keiner von den drei Larven schlüpfte an diesem Tag. Normalerweise schlüpfen Libellenlarven kurz nachdem sie ihr Gewässer verlassen, weil die Haut sonst trocknet und die Libelle dann nicht mehr aus ihrer harten trockenen Haut schlüpfen kann. Libellenlarven die nicht rechtzeitig aus ihrer Larvenhaut schlüpfen, enden als Schlupfunfall. Meist bleibt der Kopf oder die Beine in der alten Haut hängen, das endet für die Larve in jedem Fall tödlich. Die Zweiflecklarve kann ihren Schlupf um mehrere Tage hinaus zögern. Bis zu 2 Tagen kann sie an Land bleiben und zur Not auch wieder ins Wasser gehen.

Unsere Larven waren ca. 12m vom Ufer entfernt, hatten aber bis 17.00 Uhr keinerlei Interesse Richtung Wasser zu gehen. Ab 15.30 Uhr blieben sie regungslos an ihren Pflanzen sitzen, bis kurz nach 17.00 Uhr waren wir bei ihnen um sie zu beobachten.

Der Schlupf

Am nächsten Morgen waren wir gegen 9.20 Uhr wieder auf dem Parkplatz. Zuerst schauten wir natürlich nach den beiden Larven, eine Larve saß unverändert da, die andere saß etwas tiefer im Farn als am Vorabend. Gegen 10.00 Uhr brach die Wolkendecke auf und die Sonne kam durch. Es wurde zwar nicht wirklich warm, aber in der Sonne waren es immerhin 18° C. Wir haben beide Larven aus dem Schatten in die Sonne umgesetzt, eine Stunde später schlüpften sie.

Schlupf Zweifleck Weibchen
image-741

Schlupf Zweifleck Weibchen

Unsere Larven waren auch nach 24 Stunden an Land, nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Ihr Verhalten war so wie am Vortag. Das zu erleben, war für uns super spannend  🙂

 

Libellen und Schornsteinfeger

Ronan Keating besingt in seinem Lied „Life Is A Rollercoaster (Das Leben ist eine Achterbahn)“ das auf und ab des Lebens. Auch im Libellenalltag gibt es gute und schlechte Zeiten. Und manchmal passieren Dinge, da kann man nicht mehr an „Zufälle“ glauben!

An unserem kleinen Gartenteich fotografiere ich sehr gerne Libellen und das hat viele Gründe. Ich bin in einer Minute dort, selten fliegen mir die Libellen davon und man kann an jede Stelle gut dran.
Heute hatte ich das Glück die erste Heidelibelle an unserem Gartenteich beim Schlupf zu finden. Also habe ich mein Stativ und den Fotoaparat aus dem Haus geholt und ein paar Bilder gemacht.

Große Heidelibelle
image-718

Große Heidelibelle beim Schlupf

Es dauerte auch nicht lange, da breitete die Große Heidelibelle ihre Flügel aus und machte ihren Jungfernflug direkt in unserem Buxbaum (ca. 2 m vom Teich entfernt). Es kommt nur sehr selten vor, das ich den ersten Landeplatz nach einem Jungfernflug fotografieren kann, diesmal hatte ich Glück.

Große Heidelibelle
image-719

Große Heidelibelle

Die Heidelibelle blieb dort auch in 2m Höhe sitzen, ein paar Belegaufnahmen für das Archiv und dann ging ich wieder ins Haus. Keine 5 Minuten später fing es schlagartig an zu regnen. Aus dem Fenster sah ich nur viele große dicke Tropfen auf die Erde prasseln.

Wenn die Flügel einer Libelle nach dem Schlupf noch nicht komplett ausgehärtet sind, kann ein Regenschauer für Libellen tötlich enden. Die Flügel verkleben dann miteinander und die Libelle ist dann nicht mehr in der Lage zu fliegen. Aus Angst das „meine“ Libelle dieses Schicksal erleiden muß, rannte ich zum Buxbaum, hielt meine Hand schützend über das Tier und brach den Zweig auf dem sie saß ab. Unsere Eingangstür ist überdacht, dort plazierte ich den Zeig in einem Blumentopf.

Heidelibelle im Blumentopf
image-720

Heidelibelle im Blumentopf

Wenige Sekunden später steht unser Schornsteinfeger unangemeldet vor unserer Tür und fragt ob wir für ihn Zeit haben 🙂
Was für ein Zufall !!!
Zufällig finde ich die erste Heidelibelle an unserem Teich.
Zufällig sehe ich noch wo die Libelle hinfliegt.
Zufällig bemerke ich den Regen und kann die Heidelibelle vor dem Regen retten.
… und ganz Zufällig steht in dem Moment noch der Schornsteinfeger vor mir!

Und da soll noch mal einer sagen, das Schornsteinfeger kein Glück bringen 😉

Schornsteinfeger mit Libelle
image-721

Schornsteinfeger mit Libelle

Als ich ihm die Geschichte erzählt habe mußte ich einfach noch ein Foto von den Beiden machen.

Zufälle gibt es, die gibts nicht  🙂

 

3er Paarungsrad mit Pechlibellen

Wie heißt es so schön? – Drei sind einer zuviel

Das hatte ich so auch noch nicht!
Wir waren Ende Mai auf der Insel Rügen um dort Libellen zu fotografieren. Die Menge an Libellen ist dort wesentlich größer als bei uns im Raum Hannover. Unser Ziel war es ein paar schöne Bilder vom Frühen Schilfjäger und vom Keilfleck zu machen.
In Niedersachsen sieht man den Keilfleck nur sehr selten fliegen, sie zu fotografieren ist fast unmöglich, beim Schilfjäger ist das ganz ähnlich. Rügen war unsere große Hoffnung.

Wir stehen also in der prallen Sonne am Teich und um uns herum machten sich 5-10 Keilfleckmännchen das Leben schwer – jeder von ihnen beanspuchte das Gebiet für sich. Gegen 13.00 Uhr setzen sich die ersten Mänchen vor uns in den Schilfgürtel um neue Kraft zu tanken. Alles war wunderbar, es gab nur ein Problem – immer wenn ein anderes Männchen über das Schilf flog, war die Pause zuende  🙂

In diesem Fall hilft nur eins — Gedult!

Plötzlich war es soweit, da saß ein Keilfleckmännchen direkt vor meiner Linse und ließ sich fast von allen Seiten ablichten.

Keilfleck Männchen
image-704

Keilfleck Männchen

…und dann sah ich dicht neben meinem Keilfleckmännchen ein Knäul aus Pechlibellen. Was war das denn? Das mußte ich mir genauer ansehen. 2 Männchen der Großen Pechlibelle kämpften um ein Weibchen. Offensichtlich gab es schon ein Paarungsrad, das nun von einem weiteren Männchen heftig attackiert wurde. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen! Schauen Sie selbst…

Große Pechlibelle
image-705

Große Pechlibelle

Hier war ganz sicher im wahrsten Sinne des Wortes einer zuviel  😉

Große Pechlibelle
image-706

Große Pechlibelle

Natürlich wartet ein Keilfleck nicht ewig, aber dass war an diesem Gewässer auch kein Problem.

Keilfleck, Hufeisen-Azurjungfer und Gr. Pechlibelle
image-707

Keilfleck, Hufeisen-Azurjungfer und Gr. Pechlibelle

Ich hätte so gerne einen Schilfjäger neben einem Keilfleck sitzen gehabt, aber leider blieb es nur bei Einzelaufnahmen.

Früher Schilfjäger
image-708

Früher Schilfjäger

Rügen ist für uns immer eine Reise wert, tagsüber hat man viele schöne Libellen vor der Nase und abends gibt es gutes Essen und Strand. Vielleicht sehen wir uns dort ja mal.

 

Libellensaison 2014

Bei uns in Hannover hat es etwas länger gedauert, aber jetzt lohnt es sich wieder auf Libellenjagd zu gehen. Bei dem schönen Wetter kommen wirklich viele Libellen zum schlüpfen an die frische Luft und überall wimmelt es 🙂

Meine Erwartungen waren wegen dem sehr milden Winter / Frühling sehr hoch und sie wurden nicht enttäuscht! Letztes Wochenende (26.April.2014) waren wir am Steinhuder Meer um dort die ersten Mossjungfern zu bestaunen.
Wir fanden dort weit über 100 Nordische Moosjungfern auf einer Strecke von ca. 500m.

Nordische Moosjungfer
image-691

Nordische Moosjungfer

Die gelbe Fleckung auf dem Abdomen (Hinterleib) bedeutet, das dieses Männchen (oben) noch in der Reifezeit ist. Das Männchen ist also keine 2 Wochen alt.
Unten sehen Sie ein Männchen das die Reifezeit fast geschafft hat.

Nordische Moosjungfer
image-692
Zum Vergleich sehen Sie unten ein junges Weibchen der Nordischen Moosjungfer.

Nordische Moosjungfer
image-693

Nordische Moosjungfer

Libellen gab es wirklich viele, auch Schlüpfe konnten wir bis zum Nachmittag beobachten. Die wenigen jungen Falkenlibellen hatten noch braune Augen, auch die ersten Plattbauch Libellen waren schon zu sehen.

Plattbauch Weibchen
image-694

Plattbauch Weibchen

Die Vierfleck zeigt sich jetzt in ihren schönsten Farben. Wir freuen uns schon auf das kommende lange Wochenende.

Vierfleck Männchen
image-695

Vierfleck Männchen

Zum Schluß möchte ich Ihnen noch ein Foto zeigen, diese Libelle war wie Gott – allgegenwärtig! So viele Adonislibellen habe ich noch nie gesehen – unglaublich!!!

Männchen der Frühen Adonislibelle
image-696

Männchen der Frühen Adonislibelle

Von den Adonislibellen haben wir 200 bis 300 Stück gesehen, auch bei uns am Hausteich fliegen gut über 10 Stück und es werden fast täglich mehr.

Freuen Sie sich mit uns – auf eine spannende Libellensaison 2014
Viel Spaß wünschen Ihnen

Barbara & Dirk

Libellenflügel

Ein Bekannter hat mir vor kurzem gesagt, das Libellen für ihn ein Wunder der Natur sind. Trotz all unserer Technik sind wir nicht in der Lage ein Gerät zu bauen, das so fliegen kann wie eine Libelle. Jedes mal wenn er einer Libelle beim Fliegen zuschaut, ist er von ihren Flugkünsten beeindruckt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten die schon einmal einer Libelle beim Fliegen zugesehen haben, meinem Bekannten zustimmen.

Libellen sind die schnellsten Insekten der Welt, sie können bis zu 50 km/h schnell fliegen. Dabei sind ihre Wendemanöver oft so schnell, das unser Auge ihnen dabei nicht mehr folgen kann. Selbst bei böigem Wind stehen viele Libellen in der Luft wie ein Kolibri, obwohl sie nur ca. 30-mal in der Sekunde mit den Flügeln schlagen. Die große Königslibelle (Anax imperator) hat eine Flügelspannweite von bis zu 110 mm und wiegt nur knapp über ein Gramm. Kleinlibellen sind leichter als eine Feder.

Königslibelle - Anax-imperator
image-674

Große Königslibelle – Anax-imperator

Libellen haben vier Flügel die sie einzeln bewegen können. Schaut man sich den Flug einer Libelle in Zeitlupe an, sieht das etwas unbeholfen aus. Wie ein Kleinkind instinktiv mit seinen Armen und Beinen rudert um an der Wasseroberfläche zu bleiben, so paddelt die Libelle mit ihren vier Flügeln in der Luft. Dabei drückt sie die Luft mit ihren Flügeln so geschickt weg, dass sie sich in die gewünschte Richtung bewegt. Was auf den ersten Blick so kindlich ungeschickt aussieht, ist alles andere als das. Libellen haben an ihren Flügeln hunderte von kleinen Härchen, damit spüren sie minimale Luftdruckänderungen unter und über ihren Flügeln.

Durch die Wellenartige Struktur hat der Flügel besonders günstige Strömungs-eigenschaften. In den Tälern bilden sich Wirbel, die den Luftwiederstand verringern und an den Flügelvorderkanten bekommt die Luft durch vorhandene Mikrostukturen einen Drall, durch den die Libelle einen besseren Auftrieb erhält.

Flügelschema
image-675

Flügelschema

Auf dem Schema oben sehen Sie einen experimentell im Strömungskanal aerodynamisch optimierten Flügel. Darunter ist der Querschnitt eines Libellenflügels mit der typischen Wellenform. Die Zeichnung unten zeigt die kleinen Strömungswirbel die sich während des Fluges auf dem Libellenflügel bilden. Die Schatten von Zeichnung 2 und 3 zeigen die optimale aerodynamische Flügelform.
Mit ihren winzigen Härchen an den Flügelkanten spürt die Libelle kleinste Luftströmungen und kann bei böigem Wind sofort darauf reagieren und so ihren Flug ungehindert fortsetzen. Ihre Flügelmale (Pterostigma) sind etwas dickere Zellen, mit dieser kleinen Unwucht verhindern sie ein unkontrolliertes Flügelflattern im Wind.

Flügel vom Kleinen Blaupfeil
image-676

Flügel vom Kleinen Blaupfeil

Bei Kleinlibellen (Zygoptera=Gleichflügler) sind alle vier Flügel in ihrer Form etwa gleich, bei Großlibellen (Anisoptera=Ungleichflügler) sind die Hinterflügel meist etwas breiter, deutlich vor allem an ihrer Basis.

Weidenjungfer Chalcolestes-viridis
image-677

Weidenjungfer Chalcolestes-viridis

Auf den ersten Blick sehen die Flügelpaare seitensymmetrisch aus, vergleicht man aber das Adernetz eines Flügelpaars (rechts + links) im Detail, so unterscheiden sich oft die Formen und die Anzahl der Felder. Bei keiner der bisher untersuchten Libellen fand man zwei gleiche Flügel, jeder Flügel war einzigartig! Zwar gibt es auf den Flügeln Hauptstrukturen, die für bestimmte Libellenarten typisch und konstant sind, aber andere Bereiche scheinen sehr variabel zu sein. Dieses Phänomen trifft wahrscheinlich für alle Libellenarten zu.

Unterschied auf beiden Vorderflügeln
image-678

Unterschied auf beiden Vorderflügeln

Auf dem oberen Bild habe ich die rechte Struktur spiegelbildlich über die linke gelegt. So sieht man etwas deutlicher, wie ähnlich die Flügeladern angeordnet sind, aber identisch sind sie nicht.

2004 stellte sich Herr A. Pix die Frage: kann man jedes Libellenindividuum an seinen Flügeln erkennen und ist das Adernetz so einzigartig wie bei uns der Fingerabdruck?
Zu dieser Frage hat er seither etliche Hundert Tiere per Makro fotografiert und dokumentiert, um dann mit computergrafischer Hilfe die Zellen in bestimmten Flügelbereichen für jedes Individuum auszuzählen.

Ein entsprechendes Rechenmodell lässt dann den beeindruckenden Schluss zu, dass sich der Fund zweier zellenmäßig identischer Flügelmuster wie ein einziges Gewinnlos zwischen 1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 Nieten verhält, also mit 1 zu 10 hoch 30 unwahrscheinlich ist.

S. Hardersen untersuchte solche Flügelstrukturen im Vergleich mit Bedingungen, denen die Libellenlarven ausgesetzt waren. Er fand dabei eine schwächere Seitensymmetrie der Flügel, je stärker das Larvengewässer mit Pestiziden belastet war. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Symmetriegrad etwas mit der Vitalität der Tiere zu tun hat.

Herbert hat in meinem Gästebuch geschrieben: „Das Fazit Ihrer Seiten heißt, so glaube ich, nichts ist schöner als Libellen zu beobachten.“
Ja da hat er Recht 🙂
…und ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber je mehr ich mich mit diesen schönen Tieren beschäftige, desto interessanter finde ich sie!

1: Andreas Pix, Variabilität und Individualität im Feinadernetz des Anisopterenflügels (2008) – Tagungsband der 27. Jahrestagung der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen, Potsdam 2008.
2: Sönke Hardersen, Effects of carbaryl exposure on the last larval instar of Xanthocnemis zealandica – fluctuating asymmetry and adult emergence, Entomologia Experimentalis et Applicata 96: 221–230, 2000
3: Sönke Hardersen und Steve D. Wratten, The effects of carbaryl exposure of the penultimate larval instars of Xathocnemis zealandica on emergence and uctuating asymmetry, Ecotoxicology 7, 297±304 (1998)
4: Sönke Hardersen, Sexual dimorphism in wing cell patterns in xanthocnemis zealandica McLachlan (Zygoptera: Coenagrionidae), Odonatologica 35(2): 143-149, 2006
5: Roberto Sacchi, Sönke Hardersen, Wing length allometry in Odonata: differences between families, Zoomorphology (2013) 132:23–32